Die Jugendweihe ist eine feierliche Veranstaltung zur Vorbereitung der Jugendlichen für den Übergang von der Grundschule in das Leben des Erwachsenen. Sie ist nicht nur ein Festtag im Leben der Familie, Sondern wird zum Festtag breitester Schichten unseres neuen demokratischen und friedliebenden Gemeinwesens." So charakterisiert das Zentralorgan der SED eine Aktion in der Zone, die, die Schulentlassenen zur Mitarbeit an den "Idealen" des "ersten deutschen Staates der Arbeiter und Bauern" heranziehen und dem religiösen Leben entfremden soll.

Jugend und Eltern sehen sich einer schweren Entscheidung gegenüber. Nimmt der Jugendliche an der Jugendweihe nicht teil, gilt er als Feind des Staates, nimmt er teil, so identifiziert er sich ungewollt mit dem verhaßten Regime. Die Pseudo-Freiwilligkeit macht dies doppelt gefährlich, für den einzelnen wie für die Familie.

Nach einer amtlichen Zonen-Statistik waren es im Vorjahr 83 000 Schulentlassene, die sich an der Jugendweihe beteiligten. Dieses Jahr haben sich beispielsweise in Leipzig bereits 20 Prozent der ehemaligen Schüler zu den "Jugendweihen" gemeldet. Das sind, gemessen an der Gesamtzahl, noch keine alarmierende Zahlen; aber die verstärkte Propaganda soll die noch Abseitsstehenden anlocken. Noch läßt man es bei Drohungen bewenden, aber selbst ohne drastischen Zwang wächst die Gefahr der Resignation, je länger die Wiedervereinigung hinausgeschoben wird. H. T.