Vom Markenverband (Sitz Wiesbaden) wird uns geschrieben:

Mit Interesse lasen wir in Ihrer Nr. 39 die Glosse "Kognakkirschen", in der Sie die getrübte Freude des Verbrauchers schildern, der in einer altbekannten Markenpackung bei unverändertem Preis anstatt bisher zehn Kognakkirschen nur noch neun enthält und sich durch einen auf der Rückseite des Kartons angebrachten Stempelaufdruck über die Verringerung der Menge nicht getröstet sieht.

Auch nach unserer Auffassung sollte der Hersteller eines Markenartikels sein Angebot so stellen, daß es der Erwartung des kaufenden Publikums entspricht. Der Käufer verbindet die neuen Exemplare eines Markenartikels mit dem Ruf und der Wertschätzung, die er den früheren Exemplaren entgegenbrachte. Es ist der Sinn der Marke, dem Käufer eine Nachprüfung der Qualität zu ersparen. Daher werden Erzeugnisse, die dem Erfordernis konstanter Qualität nicht genügen können – weil etwa die verarbeiteten Naturprodukte starken Qualitätsschwankungen unterliegen –, nicht als Markenartikel angesehen. Auch die Bundesregierung will im Entwurf des Kartellgesetzes die Festpreisbindung nur für Markenwaren zugestehen, deren gleichbleibende Güte gesichert ist.

Im vorliegenden Fall hatte der Hersteller bei unveränderter Qualität die Quantität seiner Pralinenpackung verringert. Zweifellos erwartet der Käufer eines Markenartikels auch in Gewicht, Maß und Stückzahl ein unverändertes Angebot. Einen Markenartikel kauft man unbesehen im Vertrauen darauf, daß der Hersteller für den gleichen Inhalt einsteht. Wohl kann der Fall eintreten, daß der Hersteller infolge erheblich gestiegener Rohstoffpreise oder anderer Gestehungskosten nicht in der Lage ist, seinen ursprünglichen Preis beizubehalten. Es sind auch Gründe denkbar, die ihm raten können, von einer Preiserhöhung abzusehen und auf eine Verringerung der Quantität auszuweichen. So mag ein Hersteller glauben, ein Teil seiner Kunden werde eher bereit sein, sich mit einer verringerten Menge abzufinden, als einen höheren Preis anzulegen. Zu einer Veränderung des Gewichts oder der Menge kann ihn auch die Preispolitik seiner Konkurrenten nötigen.

Während aber eine Preisänderung dem Kunden sofort in die Augen springt, wird ihm eine Änderung der Quantität bei unverändertem Aussehen der Packung nicht sofort offenbar. Keinesfalls darf ein Markenartikelhersteller, der zu einer Preiserhöhung gezwungen ist, der Quantitätsminderung den Vorzug geben, um eine tatsächliche Preiserhöhung zu verschleiern. Das Vertrauen, das der Hersteller mit seiner Marke sucht, verpflichtet ihn, eine berechtigte Erwartung des Käufers nicht zu enttäuschen. Bietet der Hersteller in unveränderter Packung eine geringere Quantität zum gleichen Preis an, so bedarf es einer auffälligen Unterrichtung des Käufers, die ihm in die Lage versetzt, das geänderte Angebot vor dem Kaufentschluß zu prüfen. Schon das wohlverstandene eigene Interesse sollte den Markenartikelhersteller davon abhalten, mit einer tatsächlichen Preiserhöhung Versteck zu spielen und sich dem Verdacht einer Irreführung auszusetzen.