Auf der Düsseldorfer Kunststoffausstellung, die den vielen Besuchern aus dem Inland und auch als dem Ausland die dynamische Entwicklung der deutschen Kunststoffproduktion anschaulich und überzeugend vor Augen führte, fanden die "Hoechster Fachgespräche" bei den Kunststoffexperten des In- und Auslandes eine erfreulich starke Beachtung. Im Gegensatz zur diesjährigen Industriemesse in Hannover, wo diese Fachgespräche mit großem Erfolg erstmals durchgeführt wurden, waren die einzelnen Vorträge in Düsseldorf über eine Simultananlage auch in englischer und französischer Sprache zu hören. Der Gedanke dieser Fachgespräche, die übrigens eine ständige Einrichtung bleiben werden, darf als eine wesentliche Bereicherung des deutschen Ausstellungs- und Messewesens bezeichnet werden.

Von industriellen und privaten Verbraucherkreisen würde es sicher sehr begrüßt werden, wenn die von der Kunststoffausstellung – nicht nur durch die "Fachgespräche" – ausstrahlende Dynamit anhalten würde, was gewiß auch im Interesse der Kunststoffindustrie selbst liegt. Der in Verbindung mit der Ausstellung durchgeführte Schaufensterwettbewerb vermittelte selbst dem eiligen Passanten (und Nichtausstellungsbesucher) einen lehrreichen Überblick über die Erzeugnisse der deutschen Kunststoffindustrie, deren Schwerpunkt heu:e noch auf dem Konsumgütergebiet liegt, obwoll sich die großtechnische Verwendung in letzter Zeit ständig erweitert hat, wie sich aus der Fertigung von Rohren, Bauprofilen und in der Kombination von Blechen mit Kunststoffen zeigt. Aber sollte man nicht den Versuch machen, ähnliche Schaufensterwettbewerbe für Kunststoffe auch in anderen Städten durchzuführen? Sollte man nicht überhaupt den Namen "Kunststoff" verschwinden lassen, weil er bei vielen Verbrauchern überflüssigerweise mit dem Begriff "Ersatz" gekoppelt ist und darum die internationale Bezeichnung "Plastik" wahrscheinlich vorteilhafter wäre? Sollte man nicht auch davon abgehen, die von den einzelnen Unternehmen der deutschen Kunststoff Industrie erzeugten gleichartigen Grundstoffe mit verschiedenen, dem Laien fast immer unverständlichen Bezeichnungen zu versehen? Das Beispiel geben einige Kunststoffverarbeiter, die für ihre Plastikprodukte einen eigenen Namen geschaffen und damit den Weg zum Markenartikel angetreten haben. Wie der Erfolg beweist, liegen sie damit sehr richtig, obwohl der Ausgangsstoff ihrer Erzeugnisse bei den Kunststoff erzeugenden Firmen unter den verschiedensten Bezeichnungen auf den Markt gebracht wird, Bezeichnungen, die der Kunststoff dann spätestens bei den Verarbeitern verliert.

Das alles sind Fragen, mit denen sich Westdeutschlands Kunststoffindustrie besser heute als morgen beschäftigen sollte. Zu ihnen gehört neben einer intensiven und modernen Werbung, die dem Verbraucher und der Verbraucherin die längst notwendige Aufklärung gibt, nicht zuletzt eine eingehende Unterrichtung – um nicht zu sagen "Schulung" – für Handwerker und für die im Hinblick auf die Kunststoffverwendung noch sehr konservativ denkenden Architekten. we.