Wenn auch der weit überwiegende Teil der Inlandkundschaft trotz der inzwischen eingetretenen erheblichen Kursverluste keineswegs in eine Art Krisenstimmung geraten ist, so darf doch nicht übersehen werden, daß die kursdrückenden Abgaben nicht allein auf dasKonto der Ausländer gehen. Die Kursrückschläge zwangen dort zu Depotbereinigungen, wo in Erwartung weiterer Kurssteigerungen Aktien auf Kredit gekauft oder junge Aktien gezeichnet wurden. Mögen diese Fälle zahlenmäßig gering sein, so resultiert hieraus doch eine Verstärkung des Angebots, dem in der zurückliegenden Börsenwoche nur sehr sporadisch eine Käuferseite gegenüberstand.

Die massierten Abgaben, ganz gleich ob sie als Folge einer erwarteten Konjunkturwendung oder als Auswirkung der restriktiven Kreditpolitik vorgenommen wurden, haben die Voraussetzungen für weitere Aktienemissionen verschlechtert, für Anleihen geradezu unmöglich gemacht. Wenn man mit einigem Erfolg die bereits angekündigten Kapitalerhöhungen über die Börse durchführen will, sollte man zumindest in den betreffenden Papieren mit einer aktiveren Kurspflege beginnen und nicht der interessierten Spekulation das Feld allein überlassen. Als Beispiel sei hier der AEG-Kurs genannt, der innerhalb einer Woche von 281 auf zunächst 260 fiel, dann wieder bis 268 1/2 anstieg, um zum Wochenschluß wieder auf 254 zurückzufallen. Auch heute dürfte es nicht unmöglich sein, die Kursschwankungen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Mit einem bemerkenswerten Tempo trachten die Banken ihre Kapitalerhöhungen unter Dach und Fach zu bringen. Das Bezugsrecht der Commerz- und Credit-Bank wurde einheitlich an allen drei Notierungstagen zu 35 gehandelt und kam damit der rechnerischen Parität sehr nahe. In Aussicht steht jetzt ein Bezugsrecht beim Bankverein; die Bayerische Vereinsbank hat eine Kapitalerhöhung angekündigt, und die HV der Vereinsbank in Hamburg hat sie unter äußerst günstigen Bedingungen bereits genehmigt. Ein zweites Bezugsrecht dürfte bei der Commerz- und Disconto-Bank nur noch eine Frage der Zeit sein. Vielleicht wird auch die Hypothekenbank in Hamburg, schneller als ursprünglich erwartet, mit einer zweiten Kapitalerhöhung an den Markt treten. Die Kurse der Bankennachfolger fielen in Übereinstimmung mit der im allgemeinen schwachen Börsentendenz weiter zurück; allerdings hat sich diese Bewegung in den letzten Tagen wesentlich verlangsamt. Die Bankenreste haben ebenfalls ihren Tiefstand überwinden können und notieren jetzt wie folgt: Commerzbank 16 3/4 (17), Deutsche Bank 20 3/4 (22), Dresdner Bank 21 (23).

Bei einem Wochenvergleich schneiden die IG-Farben-Liquis zwar auch noch mit einem Verlust ab, doch der bisher niedrigste Kurs von 39 1/2 konnte inzwischen überwunden werden. Bei mäßigen Umsätzen kamen die Liquis neuerdings auf 40 5/8. Bei den großen IG-Farben-Nachfolgern kommt die labile Tendenz besonders zum Ausdruck. Farbwerke Bayer fielen in der vergangenen Woche um 13 Punkte auf 247 v. H. zurück. Die Tagesschwankungen waren in diesen Papieren nicht unerheblich. Das gilt im übrigen auch für die Kaliwerte, wo kleinste Beträge ausreichten, um den Kurs innerhalb von 48 Stunden zunächst von 237 auf 225 zu drücken und ihn dann wieder auf 243 steigen zu lassen. Von Kurspflege also keine Spur! Bei Salzdetfurth ergaben sich nicht ganz so augenfällige Spannen.

Am Montanmarkt war die rückläufige Bewegung bei marktgängigen! Werten weniger stark als bei Papieren, die ihren hohen Kurs in erster Linie Meinungs- und Mehrheitskäufen verdankten, die im Zusammenhang mit den Rekonzentrationsbestrebungen vorgenommen wurden. Hier war man begreiflicherweise jetzt auf Gewinnsicherung bedacht (Dt. Edelstahl 230–218, GHH-Nürnberg 250–234, Phoenix-Rheinische Röhren 182 1/2–170 1/2, Rhein. Westf. Eisen 261–222). Wie schnell der Traum von Kursgewinnen für die Mitläufer bei derartigen Spekulationen ausgeträumt sein kann, zeigt wieder das Beispiel Handels-Union, wo Krages sein Paket von knapp 20 v. H. des 46 Mill. DM betragenden AK an den Bankverein Westdeutschland bzw. dessen Mitglied des Vorstandes, Bankdirektor Hövermann, verkauft hat. Die Bank bzw. Hövermann dürften das Paket jedoch weitergeben. In Frage kommen dafür die schon vorhandenen Großaktionäre Thyssen oder Rheinstahl. Inoffiziell hat Rheinstahl etwaige Interessen an dem Krages-Paket dementieren lassen. Der Handels-Union-Kurs fiel auf 290 (334).

Der Rheinstahl-Kurs war in der vergangenen Woche relativ stabil, wenn man von vorübergehenden Gewinnmitnahmen absieht. Der Grund für das Wohlwollen, das man diesem Papier entgegenbringt, ist der Prozeß, den Krages zumindest teilweise gegen die Rheinstahl-Verwaltung in Sachen der Umstellung des AK gewonnen hat. Man wird das jetzige Umstellungsverhältnis von 1 : 1,2 kaum mehr aufrechterhalten können. Das Urteil war ohne Zweifel eine Überraschung, zumal die erste Instanz gegen Krages entschieden hatte, übrigens haben nun auch die klagenden Parteien gegen die Verwaltung der Harpener Bergbau AG wegen der Umstellung der Harpener Bonds neuen Auftrieb bekommen.

Die meisten Lokal- und Spezialwerte paßten sich der labilen Allgemeintendenz an. Das gilt auch für die Zertifikate der Investmentgesellschaft: FONDRA 207, FONDAK 323 1/2 und FONDIS 125. Von den Automobilwerten waren Daimler trotz des ungewissen Schicksals der argentinischen Gesellschaft auf 386 1/2 erholt Karstadt gaben dagegen ständig bis 255 (–l5) nach. Bei Jacobsen führte das Aufhören der Mehrheitskäufe zu einem Sturz auf 95 (–14). – Am Rentenmarkt hat sich die Lage wenig verändert. Trotz weiterer Abgaben konnten die Kurse bei den Pfandbriefen und auch bei den Industrieobligationen, für die gelegentlich etwas Kaufneigung bestand, gehalten werden. Die Wandelanleihen wurden den schwankenden Aktienkursen jeweils angepaßt. -ndt