Die erste Aktionärversammlung der wiedererstandenen August-Thyssen-Hütte AG gab zwei profilierten Männern der deutschen Wirtschaft Gelegenheit, Meinung und Standpunkt zur gegenwärtigen Wirtschaftssituation darzulegen. Damit beginnt die August-Thyssen-Hütte auch ihrerseits eine alte und leider vielfach verlorengegangene Tradition führender deutscher Unternehmen wieder aufleben zu lassen, nämlich mit persönlicher Courage die Meinungsbildung der Öffentlichkeit aus dem Schatz der Erfahrungen eines weltweit. verflochtenen Unternehmens zu vervollständigen. Dr. Robert Pferdmenges, AR-Vorsitzer der ATH, und Bergassessor Hans-Günther Sohl, Vorsitzender des Vorstandes der ATH und zugleich stellvertretender Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, sprachen im Europa-Palast zu Duisburg ihre Zuversicht über die gegenwärtige gute Konjunkturlage der deutschen Wirtschaft aus-und fanden, zugleich warnende Worte im Sinne eines ,,Maßhaltens auf allen Gebieten".

Man solle die Konjunktur, deren Grundlagen nach wie vor absolut gesund seien, weder zerreden noch gewisse Gefahrenpunkte in einigen Teilen der Wirtschaft allzusehr verallgemeinern. Man solle sich vielmehr bemühen, die gegenwärtige Wirtschaftslage durch Stabilisierung des Lohn- und Preisgefüges zu untermauern. So und nicht anders seien die geplanten Maßnahmen der amtlichen deutschen Wirtschaftspolitik aufzufassen. Dies ist eine der Warnungen, die Hans-Günther Sohl aussprach. Zur Lohn- und Preispolitik erklärte er: Abgesehen von der zukünftigen Entwicklung auf den Rohstoffmärkten können Preissteigerungen nur dann vermieden werden, wenn nicht Lohn- und Arbeitszeitforderungen in einem Umfang, erhoben werden, der das Preisproblem wieder auf der ganzen Linie aufrollt. Vor allem sollten die Lohn- und Arbeitszeitfragen nicht nur vom Standpunkt eines einzelnen Betriebes oder Wirtschaftszweiges aus beurteilt werden. Man müßte sie im Rahmen der Gesamtwirtschaft sehen. Und dabei nehme der Bergbau eine Sonderstellung ein.

Mit anderen Worten dürfte dies heißen, daß auch die Industriegewerkschaften keine Lohn- und Arbeitszeitforderungen für ihre jeweiligen Branchenbereiche erheben sollten, die über den jeweils vorhandenen Stand der Lohnabsprachen im Bergbau hinausgehen. Sonst bleibt die deutsche Wirtschaft in der Lohn-Preis-Spirale. Die derzeitige Wirtschaftslage ist von einer Hochkonjunktur bestimmt. Die Ausweitung der Produktionen stößt vielerorts bereits an die Grenzen des Arbeitskräftemangels. Zugleich wird durch immer neue Einkommenserhöhungen die Nachfrage übersteigert. Die Sparquote ist wegen der nach wie vor überhöhten Einkommensteuer zu gering. Um diese Gleichgewichtsstörung, die von der Kosten- wie von der Bedarfsseite her preissteigernd wirkt, zu bannen, sollte vor allem die öffentliche Hand mit einer erneuten Steuerreform und mit einer zeitlich sinnvolleren Vergebungöffentlicher Aufträge nicht zu lange auf sich warten lassen. -lt.