Immer wieder kann man von wohlmeinenden Leuten in Europa die Meinung vertreten hören, Afrika gehöre den Schwarzen, und der weiße Mann habe im Grunde nichts darin zu suchen; er sollte sich damit abfinden, daß ihm Afrika genauso verlorengehen wird, wie ihm Asien verlorengegangen ist.

Solche Meinung mag zwar auf schönen Theorien von Menschenrecht und Menschenwürde beruhen, aber an den wahren Tatbeständen schießt sie weit vorbei. Wer "Afrika den Afrikanern!" fordert, der müßte bei einiger Konsequenz "Amerika den Indianern!" und "Australien den Australnegern!" rufen. Anders liegen die Dinge in Asien. Und gewiß ist, daß man Asien und Afrika überhaupt nicht miteinander vergleichen kann. Völker hoher, alter Kultur, wie sie in Asien nun zur Selbständigkeit zurückfanden, sucht man in Afrika vergeblich, abgesehen natürlich von seinem zum Mittelmeer gehörenden Nordrand. Im eigentlichen Neger-Afrika südlich der Sahara haben niemals Staaten oder Kulturen existiert, die sich mit den alten, großen Welten des Ostens vergleichen ließen.

Wenn heute im hohen Norden Nordamerikas die Kanadier und die Nordamerikaner die weiten Länder zwischen der Bering-See, der Hudson-Bay und Labrador mit modernsten Mitteln erschließen – warum denkt niemand daran, diese Gebiete für die Eskimos und die nördlichen Indianer zu reklamieren, die dort seit undenklichen Zeiten allein Heimatrecht genießen? Weil hier der Unsinn solcher Forderung allzu nackt und bloß auf der Hand liegt. Weil das Recht, in einem Linde zu sein, zu bleiben und sich auszubreiten, unmöglich allein davon abgeleitet werden kann, daß man mit sämtlichen Vorfahren auch in diesem Lande geboren worden ist. Seit den ältesten Tagen der menschlichen Geschichte erwirbt sich Lebensrecht in einem Lande, wer dort wohnt, arbeitet und die Möglichkeiten entwickelt, die sich ihm dort bieten.

Wo es in der erkennbaren afrikanischen Geschichte Staatenbildungen gegeben hat, versanken sie fast ohne Ausnahme nach einer oder nur wenigen Generationen in fürchterlichen Greueln, Blut und Wahnsinn. Das gilt für das Reich der Zulus ebenso wie das der Matabele, für das von Bunkeya, wie für Uganda, gilt für die Yocuba und die Aschanti und die Reiche des Sudan.

Afrikas heutige Bedeutung in der Welt ist weißen und nicht schwarzen Ursprungs, am deutlichsten gerade da, wo Schwarze den weißen Mann des Landes verweisen wollen. Wer Afrika von innen kennt, der weiß, daß es nach kurzer Zeit schon in den Zustand der Barbarei zurücksinken würde, ginge der weiße Mann nach Hause und bräche er die Beziehungen ab. Die Haussa in Nord- . nigerien wünschen schon heute nichts sehnlicher, als daß die Engländer im Lande blieben und sie nicht den übermächtigen Yoruba im Südwesten überließen.

Keine Angst vor der "Herrschaft"

Es verrät ein eigentümliches Ermatten der Lebensinstinkte Europas, wenn die Europäer auch noch zustimmen, sich aus Gebieten verdrängen zu lassen, die von ihnen erst zu lebendigen und zukunftsträchtigen Gebilden geformt wurden. Wenn Europa bleiben will, was es war und immer noch ist, so kann es unmöglich auf Afrika verzichten. Das heißt, es darf sein Herrschaftsrecht nicht aufgeben, wenn ihm das Wohl der Beherrschten wirklich am Herzen liegt. Die Angst vor dem Wort "Herrschaft" sollten wir endlich aufgeben. Mögen auch viele Europäer daheim – fern vom Schuß – sich von den Zweckparolen der farbigen Mitglieder der United Nations den Blick trüben lassen, den Europäern in Afrika brennt das Feuer schon viel zu nahe am Haus, als daß sie auf die Idee kämen, es genüge der Versuch, es auszublasen.