III. Wo der schwarze Kontinent den Weißen gehört – Neues Land für Portugals Bauern

Von A. E. Johann

Unser Mitarbeiter A. E. Johann, der zur Zeit Afrika bereist, hat in den beiden vorigen Ausgaben der ZEIT Beispiele neuen Unternehmertums in Portugiesisch-Angola geschildert. Mit staatlicher Unterstützung siedeln portugiesische Bauern vor allem im Gebiet von Cela.

Schon lange waren die außerordentlichen Möglichkeiten der weiten, wasserreichen Hochlandtäler bei Cela (gut 150 Kilometer genau östlich von dem kleinen Hafen Novo Redondo) bekannt. Nun war das Geld da, sie zu erschließen. Ein Gebiet von etwa 500 000 Hektar wurde als erstes dazu bestimmt, kultiviert zu werden. Das mächtige, flache Tal zwischen den schroffen Randbergen war versumpft. Die Schwarzen hatten damit nichts anzufangen gewußt; nur ein paar dürftige Siedlungen von einigen Dutzend Eingeborenen behaupteten sich mühsam an den zerwaschenen Hängen über den Sümpfen.

Die eingesessene Bevölkerung, insgesamt nur wenige Sippen, ließ sich leicht überreden, ihre ärmliche Heimat mit vorbereiteten, besseren Ansiedlungen in günstigeren Gebieten weiter westwärts zu vertauschen. Dann begannen die Bulldozer aus Amerika ihre Arbeit. Der Donner der schweren Dieselmotoren hört nun schon seit fünf Jahren nicht mehr auf. Motoren bahnen Straßen, roden den Busch, heben Hunderte von Kilometern an Drainagegräben aus, wühlen mächtige Kanäle durchs Ried, türmen anderswo Staudämme auf, leiten die Flüsse und Bäche um, planieren die Felder, ebnen den Grund für die Dörfer und für die kleine Hauptstadt des Siedelgebietes, mischen den Zement für die Brücken, die Schleusen, die Lagerhallen – und brummen schließlich vor den mächtigen Kulturpflügen und Bodenlockerern, die dem entwässerten Grund die letzten Baumwurzeln, Blöcke und Büsche entreißen.

In wenigen Jahren hat sich eine nutzlose, malariaverseuchte Wildnis in ein Land der Zukunft verwandelt, auf dem bis zum Ende des Jahres 1955 schon zwölf große Bauerndörfer den Kern eines weißen Portugal in Afrika bilden werden.

Sorgfältig werden daheim unter den vielen Antragstellern die geeigneten Siedler ausgesucht. Ein- oder zweimal im Jahre fährt der Leiter des ganzen, allein von der Angola-Regierung finanzierten Unternehmens nach Portugal, besucht die in einer Vorauswahl festgestellten Bauern in ihrer Heimat und macht sich so ein klares Bild von ihren Fähigkeiten und Leistungen. Dies System hat sich gut bewährt. Anfangs wurden die Siedler von portugiesischen Beamten ausgesucht – aber dann gab es nachher in Afrika Ausfälle und Versager. Die heimischen Beamten waren mit den afrikanischen Erfordernissen nicht genügend vertraut. Nachdem Francisco A. Teixeira Boaventura sich seine Siedler selbst in ihrer Heimat aussucht, gibt es keine Fehlschläge mehr.