In der abgelaufenen Börsenwoche kam es bei den Aktienkursen wieder zu größeren Kursschwankungen. Wenn sich auch die Abwärtsbewegungen nicht mehr in dem gleichen Umfang vollzogen wie in den Wochen zuvor, so lag der größte Teil der marktgängigen Werte trotz gelegentlicher Erholungspausen noch schwach. Die Diskussionen über den weiteren Verlauf der Konjunkturkurve haben dem inländischen Publikum keinen Anreiz zu neuen Käufen gegeben; das Ausland trat namentlich zum Wochenschluß wieder als Abgeber auf. Grund für die weiteren Verkäufe von dieser Seite war die unsichere Tendenz an der Londoner Börse, wo es nach Ankündigung weiterer kreditrestriktiver Maßnahmen zu bemerkenswerten Kursverlusten kam. Diese Welle pflanzte sich über Amsterdam in die westdeutschen Börsensäle fort. Betroffen waren diesmal besonders die Montanwerte, für die sich seit jeher die holländischen Anleger besonders interessiert haben. Für die Beurteilung der Situation ist weiterhin entscheidend, daß sich die deutschen Wertpapiermärkte infolge ihrer internationalen Verflechtung nach wie vor im Schlepptau der allgemeinen Baisse-Bewegung befinden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die durch Effektenverkäufe der Ausländer freigesetzten DM-Beträge bislang nur in geringem Maße transferiert worden sind. So besteht die Möglichkeit, daß diese Summen eines Tages wieder in die deutschen Wertpapiermärkte einströmen.

Im Hinblick auf ein Wiederansteigen der Kurse wurden vom Berufshandel – aber auch zeitweise von der Kundschaft – Meinungskäufe vorgenommen, die angesichts der bereits wieder herrschenden Marktenge zu Kurssteigerungen führten. Als ein typisches Beispiel ist hier die Kursbewegung bei Klöckner zu nennen: Nach Bekanntgabe der Klöckner-Dividende von 5 1/2 v. H. für neun Monate (entspricht einer Jahresdividende von etwa 7,38 v. H.) stieg der Aktienkurs an einem Tag um 15 Punkte. Erst im Zuge der Abgaben zum Wochenschluß mußte er erneut bis 159 zurückgenommen werden. Die Ankündigung einer 8prozentigen Dividende auf der Mannesmann-HV hatte eine weniger große Wirkung. Man hatte mit einer Dividendenerhöhung gerechnet, so daß hier das Überraschungsmoment ausfiel. Mannesmann schwankten zwischen 185 1/4 – 189 – 182 1/2 v. H. Die Montanwerte mit breitem Markt lagen gegenüber der Vorwoche durchschnittlich um 2 bis 3 Punkte schwächer. Anders steht es mit Papieren jener Gesellschaften, bei denen Mehrheits- und Meinungskäufe den Kurswert bestimmen. Waren Effektenkäufe aus diesen Gründen in den vergangenen Wochen kaum in Erscheinung getreten, so ist hierin nunmehr ein Wandel erkennbar. Man mag in den betreffenden Kreisen der Ansicht sein, daß mit entscheidenden Kurseinbrüchen nicht mehr gerechnet zu werden braucht, so daß ein weiteres Abwarten nur kostspieliger werden kann. Das gilt nicht nur für den Montanmarkt, sondern auch für Daimler, wo der Kurs um 11 Punkte auf 395 anstieg.

Die Ankündigung von Bezugsrechten vermag in der gegenwärtigen Börsensituation auf den betreffenden Kurs nur am Rande anregend zu wirken. Die Kapitalerhöhungen bei der Dresdner Bank-Gruppe hingen schon zu lange in der Luft, um noch zu Kurssteigerungen bei den betreffenden Nachfolgeinstituten zu führen. Immerhin sind ihre Kurse stabil geblieben, während zum Beispiel die Commerz- und Disconto-Bank um 11 Punkte auf 224 zurückfielen. Auch das zweite Bezugsrecht bei der Hypothekenbank in Hamburg wurde erwartet. Ihr Aktienkurs stieg um 3 Punkte auf 233, ohne daß ins Gewicht fallende Umsätze zustande kamen. Eine Erklärung über die Dividendenaussichten für das laufende Jahr wurde vermieden, da jedoch die jungen Aktien erst im Dezember eingezahlt zu werden brauchen und dann praktisch schon eine Halbjahresdividende beinhalten, stellt sich selbst bei gleichbleibender Dividende (8 v .H. für 1954) eine Erhöhung der Rendite für die Altaktionäre ein. Im Zusammenhang mit dem in Aussicht stehenden Bezugsrecht zogen Handelsbank Lübeck bis 240 (plus 15 Punkte) an.

Daß die Zeit der risikolosen Bezugsrechtnotierungen im Augenblick vorbei ist, wurde der Börse jetzt im Falle AEG vor Augen geführt. Die AEG-Bezugsrechte wurden zwischen 33 und 35 v. H. gehanddem sie lagen damit um mehrere Punkte unter der rechnerischen Parität. Der Aktienkurs, der in der Vorwoche um 20 Punkte gefallen war, ging unter Berücksichtigung des Bezugsrechtabschlages um weitere 9 Punkte auf 217 v. H. zurück. Für das Bezugsrecht auf die Wandelanleihe der Aschaffenburger Zellstoffwerk; AG bestand wegen des niedrigen Aktienkurses (108 H.) an keinem Notierungstag Interesse, so daß mit "Null" notiert werden mußte; übrigens das erstemal nach der Währungsreform. -ndt