k. f., Berlin

Wenn es auch den Anschein hat, als ob die Regierung der "DDR" das kirchliche Leben mehr als bisher tolerierte, so stößt man doch immer wieder auf Geschehnisse, die nachdenklich stimmen. So wurde in jüngster Zeit in verschiedenen Tageszeitungen der "DDR" folgende "Antwort auf viele Fragen" kommentarlos veröffentlicht:

"Aus vielen Anfragen aus Kreisen der Bevölkerung ist ersichtlich, daß über die Möglichkeit des Austrittes aus einer Religionsgemeinschaft noch Unklarheiten bestehen. Gemäß Paragraph 3 der Verordnung über den Austritt aus Religionsgemeinschaften vom 13. Juli 1950 sind neben den staatlichen Notariaten auch die Standesämter berechtigt, Einzelerklärungen entgegenzunehmen. Nach Paragraph 2 der 2. Durchführungsbestimmung vom 20. März 1952 zur Verordnung vom 13. Juli 1950 werden Austrittserklärungen sofort wirksam, d. h. mit dem Tage der Ausstellung und Beglaubigung durch den Leiter des Standesamtes. – Die Bürger, die ihren Austritt erklären wollen, müssen persönlich erscheinen und ihren Ausweis für deutsche Staatsangehörige vorlegen. Für Kinder bis zum 14. Lebensjahre müssen beide Elternteile (bzw. die Mutter) die Erklärung abgeben. Kinder über 14 Jahre entscheiden selbst über ihren Austritt aus einer Religionsgemeinschaft. Gebühren werden dafür nicht erhoben."

Man hat es also den Bürgern der "DDR" auffallend leicht gemacht, ihre Kirche zu verlassen. Hinzu kommt, daß die Kirchensteuern seit je von den Kirchen selbst, also nicht vom Finanzamt zusammen mit der Lohn- oder Einkommensteuer, eingezogen werden, wie es in der Bundesrepublik üblich ist. Daß "Kinder über 14 Jahre" selbst über ihren Kirchenaustritt entscheiden können, gibt der kommunistischen "Freien Deutschen Jugend" die Möglichkeit, die heranwachsenden Jahrgänge entsprechend zu beeinflussen. Allerdings hat nicht zuletzt der Verlauf des Evangelischen Kirchentags im Vorjahr zusammen mit Veranstaltungen der mitteldeutschen Katholiken bewiesen, daß die antikirchliche Propaganda vielfach auf steinigen Boden fällt. Das dürfte sich kaum ändern, auch wenn sie unter der Überschrift "Wer nimmt Erklärungen zum Kirchenaustritt entgegen?" in Tageszeitungen veröffentlicht wird.