Guter Mut, doch schlechte Waffen – Nichts vom 08/15-Betrieb

Dem Manöver des Bundesgrenzschutzes am 19. und 20. Oktober im Raum zwischen Steinhuier Meer und Uelzen lag folgende "Feindlage" zugrunde: In Hannover, Peine und Braunschweif haben Agenten und Sabotagetrupps heftige Unruhen ausgelöst. Über die Zonengrenze dringen militärisch geschulte Partisanenkommandos vor. Während Polizeikräfte die Unruheherde in den Großstädten einzudämmen suchen, wird gegen die Partisanenverbände der Bundesgrenzschutz eingesetzt. – Nach üblichem Muster waren beide Parteien als blaue oder rote Verbände bezeichnet und entsprechend an Helm und Fahrzeug kenntlich gemacht. Zu der Übung versammelten sich BGS-Einheiten, die in Lübeck, Ratzeburg, Hamburg, Dannenberg, Braunschweig, Goslar, Hannover und Münster stationiert sind. Etwa 6000 Mann, ein Drittel der Gesamtstärke des Bundesgrenzschutzes, nahmen daran teil.

Am Dorfrand von Brelingen, 30 km nordwestlich von Hannover, trafen Einheiten des eilig alarmierten Bundesgrenzschutzes auf die "Gefechtsvorposten" der "Partisanen", die in Waldstücken, Straßengräben und Strohdiemen nisteten. Überall erkannte man jetzt in Bodensenken, zwischen Sträuchern und Bäumen, an Hausecken, hinter Zäunen für kurze Sekunden springende Silhouetten mit verwischten Konturen, die in der Färbung dem Erdboden, dem dürren Gras, dem Bunt des Laubes verwandt waren: Die Grenzjäger hatten die Helme mit einem Überzug getarnt und trugen die gefleckte Zeltbahn über der Uniform wie einen ärmellosen Dufflecoat. Jedem Zugführer folgte wie ein Schatten ein Jäger mit einem Funksprechgerät auf dem Rücken und einem Kopfhörer am Ohr. Er hält die Verbindung zur "Hundertschaft", wie im BGS die Kompanie genannt wird.

Der Manövergast war als Schlachtenbummler in der glücklichen Lage, aufrecht stehend das Geschehen zu verfolgen. Er konnte auch mit wenigen Schritten die Front wechseln und die Lage der "Partisanen" studieren. Aus einer Staude goldgelber Herbstastern flüsterte es:’"Gehen Sie bitte aus dem Schußfeld!" Jetzt erst erkannte er den kurzen, dicken, blauschwarz schimmernden Lauf einer Maschinenpistole und hinter den Blumen, tief geduckt, das Gesicht vom Schirm der Feldmütze überschattet, den ersten Freischärler. In der Tür seines Pferdestalles stand der Hofbesitzer und schüttelte den Kopf: "Was hat man den Jungens bloß für komische Donnerbüchsen in die Hand gedrückt?"

Der Grenzschutz hat eine eigene Taktik entwickelt. Aus dem Hinterland werden motorisierte, bewegliche Kampfgruppen durch Funk herangerufen, sobald der Angriff in einem Abschnitt hängenbleibt. Das funktionierte im Manöver schnell, gekonnt und überzeugend wirklichkeitstreu. Aber auch die "Feindseite" zeigte BGS-Taktik, indem – sie hinhaltend kämpfte und immer wieder versuchte, sich durch plötzliche Gegenstöße Luft zu verschaffen. So tauchten, da der Widerstand sich versteifte, aus einem birkenüberschatteten Hohlweg plötzlich Panzerfahrzeuge auf – von Schützenrudeln umschwärmt – und prallten auf die Angreifer, die in Gräben und Löchern Deckung suchten.

Diese Panzerspähwagen, dunkelgrüne sechsrädrige "Käfer" mit einem flachen Turm, hat der BGS aus englischen und US-Beständen geerbt. Sie sind Veteranen des Krieges. Die ihnen zugehörigen 2-cm-Kanonen, die nicht einmal im Landserjargon als "Panzerklopfgerät" bezeichnet werden könnten, mußten auf französischen Wunsch ausgebaut und durch MG ersetzt werden. Die Wagen dienen als Ausbildungsobjekte.

Training unverkennbar