Er begann damit, daß er die Zivilverwaltung des Ministeriums und der Armee um 40 000 Angestellte verminderte, die Bauvorhaben aussetzte, bis ihre Unerläßlichkeit überprüft war, die Aufträge von unzähligen kleinen Unternehmern auf einige große, leistungsfähige Konzerne konzentrierte, die Autorität der Hierarchie klärte und stärkte und den Haushalt für 1954 um fünf auf rund vierzig Milliarden Dollar (für 1952 hatte die Armee noch 104 Milliarden verlangt!) und für 1955 um zehn auf rund dreißig herabsetzte. Luftwaffe, Armee und Flotte reduzierte er auf das nötig scheinende Mindestmaß. Das gab ihm eine starke Stellung, um für das kommende Jahr wieder eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets auf fünfunddreißig Milliarden vorzuschlagen, und als man ihn fragte, was der Finanzminister Humphrey dazu sagen würde, erklärte er kurz und bündig: "Es ist mir gleich, was der sagt."

Daß Wilson die Reform in der Verwaltung glänzend gelang, geben auch seine Feinde zu. So gewann er freie Hand, um sich den grundsätzlichen Problemen des militärischen Aufbaues zuzuwenden, der Frage nämlich, ob man das Gewicht auf die klassischen Waffen oder auf die Atomwaffen legen solle. Hier allerdings ist Wilson nicht mehr auf eigenem Gebiet, er muß sich auf den Rat der militärischen und politischen Fachleute stützen. Er hat sich dafür entschieden, die Kernrüstung zu bevorzugen, nicht nur die strategische Atombombe, die schnelle Flugzeugtypen von großem Radius und die Entwicklung interkontinentaler Raketen erfordert, sondern auch die Ausstattung der Land- und Seestreitkräfte mit taktischen Atomgeschützen. Ohne Zweifel ist diese Kriegführung moderier und wirksamer, und da sie eine Konzentraten der Kräfte, nämlich an Stelle von Massenheeien den sparsameren Einsatz von Menschen und Mitteln erlaubt, sagt sie dem Wirtschaftsmann Wilson gewiß auch aus diesen Gründen zu.

Die Gegner, darunter den bisherigen Oberbefehlshaber der Armee, General Ridgway, hat Wilson mit gewohnter Energie ausgeschaltet und durch Taylor ersetzt. Aber Ridgway stellt nicht allein. Mit ihm sind viele Militärs und Politiker der Ansicht, daß der new look of strategy seine Gefahren habe, den Zwang nämlich, schon bei lokalen Zusammenstößen Atomwaffen anzuwenden, was zur Vergeltung und damit rasch zum globalen Atomkrieg führen könnte. Ferner: hätten die Sowjets erst einmal in der Atomrüstung gleichgezogen, dann verlören die Kernwaffen, falls man den Vernichtungskrieg vermeiden oder ächten wolle, überhaupt an Wert. Daher müsse Amerika gleichzeitig dafür sorgen, daß es auch die klassische Rüstung nicht vernachlässige. Das ist eine Auseinandersetzung, die in den Vereinigten Staaten wie bei allen Großmächten noch immer im Mittelpunkt steht.

Politisch hat Wilson, das weiß man in Washington, noch manches zu lernen. Vielleicht ist es auch aus diesem Grund von Vorteil, daß er bei dir Genfer Konferenz Gelegenheit erhält, mit den Sowjets, von deren Charakter und Entschlüssen soviel abhängt, auch persönlich zusammenzutreffen

Volkmar Zühlsdorff