K. M., Landau

Der Staatsanwalt im weinfrohen Landau in der Pfalz hat dem Anti-Alkoholmittel "Contra" (siehe DIE ZEIT Nr. 42) nicht getraut. Er wollte jetzt, da mit der Weinlese das "närrische Vierteljahr" an der Weinstraße beginnt – eine von jedem Autofahrer gefürchtete Zeit, weil die Arbeit im Gärkeller die Leute oft auf der Straße noch taumeln läßt – gegen die Einwände der Kraftfahrer gewappnet sein. Deshalb bat er das Gerichtsmedizinische Institut der Universität Mainz, "Contra" unter die Lupe zu nehmen. Das geschah.

Zehn Personen tranken im Laufe einer Stunde je zwei Flaschen kräftigen und guten Weines aus. Dadurch ergab sich bei allen ein Alkoholgehalt von 1,5 pro mille, zum Teil bis zu 1,65 pro mille. Einige unter den Versuchspersonen waren nicht nur sehr fröhlich, sondern sogar schwer betrunken, je nach ihrer individuell verschiedenen Reaktion auf Alkohol. Dann wurde jenes Mittel verabreicht, "Contra" mit Namen, das ein Hamburger Chemiker entwickelt und dessen Herstellung ein Mineralbrunnen-Vertrieb in der Eifel übernommen hat.

Nachdem alle Versuchspersonen das Gegenmittel erhalten hatten, wurden weitere Blutproben in bestimmten Zeitabständen entnommen. Und ganz im Gegensatz zu den bisher verbreiteten Angaben, zeigte sich unter der strengen Kontrolle von Professor Dr. Wagner, daß der Alkohol im Blut nach ein bis eineinhalb Stunden nur ganz geringfügig gesenkt war, zum Beispiel von 1,65 auf 1,35 pro mille. So stark wäre der Alkoholspiegel wahrscheinlich auch abgesunken, wenn man kein "Gegenmittel" verabreicht hätte. Professor Wagner zog daher den Schluß, daß "Contra" nichts nütze; er warnte zugleich vor dem Glauben, daß ein Autofahrer dann schon fahrtüchtig sei, wenn der Alkoholspiegel auf das normale Niveau wieder zurück-gefallen ist.

Das bloße Ausscheiden des Alkohols, beziehungsweise seine Verbrennung im Blut, die durch "Contra" beschleunigt werden soll, genügt allein nämlich noch nicht, um das Nervensystem wieder voll funktionsfähig zu machen. Die durch Alkohol geschädigten Nervenzellen brauchen auch nach der Befreiung von der direkten Alkoholeinwirkung eine Erholungspause. Erst dann können sie normal reagieren.

Das sind schlimme Nachrichten für die Gastwirte in der fröhlichen Pfalz. Und der Staatsanwalt hat leider mit seiner düsteren Vermutung recht behalten.