Diese Frau weiß, was sie will; das ist der erste Eindruck. Sie sitzt hinter ihrem Schreibtisch in einem Raum, der eine Mitte zwischen Salon und Arbeitszimmer ist, ein gediegenes Gehäuse, geschmackvoll, zweckmäßig und bequem eingerichtet. Frau Pfannes ist eine Fünfzigerin, ruhig und selbstsicher in ihren Bewegungen, gewählt angezogen und ohne Hemmung von dem berichtend, was ihr am Herzen liegt.

Am Herzen liegen ihr die Hausfrauen. Sie ist selbst eine Hausfrau aus Passion, wie sie sagt. Sie versteht sich auf eine exzellente Küche und weiß dabei das Kulinarische mit den Grundsätzen einer modernen Ernährung zu vereinigen. Sie hat eine Reihe von Kochbüchern herausgegeben, und in diesen Büchern lebt etwas von dem soliden Geschmack, den auch dieser Raum hat, in dem der Besucher ihr gegenübersitzt.

Fini Pfannes hat einen Beruf, unter dem sich manche von uns kaum etwas vorstellen können. Sie ist Werbeberaterin. Sie berät industrielle Firmen bei der Herstellung und Werbung. Und sie tut das nicht als Kaufmann, sondern als Hausfrau. Sie weiß, was eine Hausfrau braucht, was sie vermißt, was sie ablehnt. Sie weiß, ob sich ein Artikel oder ein Nahrungsmittel durchsetzen kann oder nicht. Sie rät zu Veränderungen des Materials, der Verpackung, der Reklame. Sie hat Erfahrung darin, worauf eine Hausfrau „anspringt“. Und wo sie selbst nicht sicher ist, weil es für irgendeine Sache keinen Vergleich gibt, da bedient sie sich des Testes. Sie bemüht sich um eine Verbesserung der Geräte, sie hat eine Versuchsküche im Erdgeschoß ihres Hauses in der Klaus-Groth-Straße zu Frankfurt am Main, einer stillen Seitenstraße in der Nähe der Eschersheimer Landstraße. Auf Anordnung der Kulturminister der Länder werden ihre Broschüren zur Milchwerbung oder zur Hefewerbung den Schulentlassenen in die Hand gegeben. Diese Hefte haben Auflagen zwischen 300 000 und 800 000.

Das ist der bürgerliche Beruf der Werbeberaterin Fini Pfannes. Auf einem anderen Feld, wenngleich in einer inneren Verbindung, liegt ihre öffentliche Tätigkeit im Deutschen Hausfrauenverband. Vierzig Jahre existiert diese Vereinigung, dreißig Jahre gehört sie ihr selbst an. Den Haushalt in eine sinnvolle Relation zur Volkswirtschaft zu bringen, das ist während dieser Jahrzehnte ihr Bestreben gewesen, und wie dies auf zeitgemäße Weise geschehen soll, ist gerade in diesen Tagen wieder eine ihrer Überlegungen. Sie ist sich darüber im klaren, daß die Hausfrauen bestimmte Grundgesetze der Volkswirtschaft nicht außer Kraft setzen können. Aber sie weiß auch, daß sie regulierend eingreifen könnten. Sie meint, daß sich die Hausfrauen ihrer Chance nur selten bewußt werden. Sie bleiben untätig, wenn es darauf ankommt, und sie rühren sich bei relativ unergiebigen Gelegenheiten.

Die Frauen zu bewußteren und besser informierten Verwalterinnen ihres Etats zu machen, darum bemüht sich Fini Pfannes als Vorsitzende des Deutschen Hausfrauenverbandes und als stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände, in denen 14 „verbraucherpolitisch“ orientierte Organisationen zusammengeschlossen sind.

Frau Pfannes ist viel herumgekommen in der Welt. Eine urbane Internationalität geht von ihr aus. Sie lebt zwar seit langem in Frankfurt, aber sie ist gebürtige Rumänin. Nach wie vor reist sie gern, und wenn sie nach des Tages Arbeit Ausspannung sucht, dann findet sie sie bei ihren vier Hunden, die mit fröhlichem Gekläffe Haus und Garten beleben. J. P.