Es waren 96 Prozent aller Saarländer, die zur Wahlurne gingen. Diese hohe Beteiligung beweist, daß es sich hier nicht um eine normale politische Wahl handelte, sondern um einen Volksentscheid, bei dem jeder Saarländer sich als Person und .Mensch vor eine Entscheidung gestellt fühlte. Daß sie für ihn nicht hieß, Europa oder Status quo, sondern Deutschland oder Frankreich, und daß dies wiederum alle echten nationalen Gefühle und sicher auch einige nationalistische Töne zur Geltung brachte, das freilich lag an Umständen, für die nicht Deutschland verantwortlich ist. Niemand konnte erwarten, daß die Exponenten Frankreichs: Hoffmann und Hector, unter deren Ägide alle Parteien, die anderer Meinung waren als die Machthaber, jahrelang verboten waren, in den Augen der Bevölkerung über Nacht zu Garanten eines europäischen Status werden konnten.

Im Ausland lautet mancher Kommentar: Es war eine Nazi-Wahl, ein Entscheid gegen Europa. Mag sein, daß die Reaktion auf nationale Unterdrückung immer einen Gemütszustand zeitigt, in dem auch etwas vom Nazismus anklingt – aber gegen Europa haben die Saarländer nicht gewählt. Wenn; was hoffentlich der Fall sein wird, die deutsche und die französische Regierung zusammen noch einmal einen neuen Anfang, einen neuen echten Start auf Europa hin unternehmen, dann werden die Saarländer vielleicht zu dem, was sie schon längst hätten sein können, zu einem Bindeglied zwischen den beiden Völkern. Dann endlich wird die Saar nicht mehr ein Zankapfel sein. D