Die Phasen im Abstimmungskampf – Warum das Nein siegte

Von Heinrich David

Saarbrücken, Ende Oktober

Erinnern wir uns: Im Abstimmungskampf gab es ein auf und ab der Stimmungen. Die führenden Männer der drei deutschen Parteien an der Saar, die von Anfang an das Saarstatut abgelehnt hatten (und nicht nur den Ministerpräsidenten Hoffmann), zweifelten nach der Ratifizierung durch Bundestag und Bundesrat daran, ob sie ihren Landsleuten den Zwei-Fronten-Krieg gegen die beiden Vertragspartner Bonn und Paris zumuten konnten. Sie mußten aber zum Nein aufrufen, weil Ja zu diesem Abkommen unvereinbar mit ihrer politischen Zielsetzung war. Schließlich ging es ihnen nicht nur darum, daß Hoffmann durch eine sympathischere Figur ersetzt würde, sondern um die Frage: Sind die Saarländer mit der Separation der Saar von Deutschland vorläufig einverstanden oder nicht? Und kann man die Separation bejahen und zugleich die Separatisten wegjagen wollen?

Am 23. Juli, dem Tag, der – auf Grund jenes Pariser Saar-Abkommens, das soll nicht verkannt werden – die Freiheit brachte, rechneten die drei Parteien mit bestenfalls 40 Prozent Nein-Stimmen. Wenige Wochen später konnten sie auf 80 Prozent rechnen. Und auf den Parteibüros sagt man noch heute: sie wären auch erreicht worden – ohne die Bochumer Erklärung des Bundeskanzlers. Diese Erklärung gab Johannes Hoffmann und seiner schon zerbröckelnden Partei neuen Mut. Damals schien sich das Bild entscheidend zu verändern. Die Bochumer Erklärung Adenauers – daß nur das Ja der Saar-Deutschen zu freien Landtagswahlen und einer Ablösung Hoffmanns führen könne – machte auch an der Saar Eindruck. Dennoch konnten die deutschen Parteien – siehe oben – das Statut nicht bejahen, wenn sie ihr Gesicht nicht verlieren sollten; und dann rechneten sie damit, daß ein Nein viel schneller zur Ablösung Hoffmanns als ein Ja führen werde: nämlich innerhalb von sieben Minuten nach Errechnung des vorläufigen Abstimmungsergebnisses.

Hoffmann mit Blasorchester

Also keine Rede vom Status quo und vom Weiterbestand des Hoffmanns-Regimes im Falle des Nein. Was hindert uns zuzugeben, daß auch der hervorragendste Staatsmann Fehler begehen kann! Die Saar-Deutschen haben diesen Fehler Adenauers korrigiert, aber noch nicht ganz verwunden. Es ist für sie einfach indiskutabel, daß ein Grund bestünde, ihre im Interesse Gesamtdeutschlands getroffene Entscheidung zu korrigieren.