E. K., Baden-Baden

In Baden-Baden sind die von der Besatzungsmacht beschlagnahmten Wohnungen auch dann nicht freigegeben worden, als sie nicht mehr benutzt wurden. Gegen dieses Ärgernis leerstehender Wohnungen hat Baden-Badens Oberbürgermeister Dr. Ernst Schlapper energisch Front gemacht, indem er in öffentlicher Stadtratssitzung die früheren Wohnungsbesitzer aufforderte, ihre leerstehenden Wohnungen – notfalls unter deutscher Polizeibedeckung – wieder in Besitz zu nehmen. "Wir haben", so erklärte Dr. Schlapper, "den Grund und Boden für den Bau von NATO-Wohnungen nur unter der Bedingung hergegeben, daß in gleichem Ausmaß beschlagnahmte Wohnungen an Baden-Badener Bürger zurückgegeben werden." Noch vor dem Beginn der Bauten für die Besatzungsmacht hatte das vorsichtige Stadtoberhaupt beim Quai d’Orsay in Paris um die Versicherung ersucht, daß dieses Versprechen auch gehalten werde. Der damalige Außenminister Robert Schuman verbürgte sich dafür.

Das NATO-Stadtviertel wurde gebaut, aber die französische Zusage nicht gehalten. Als dann ein vordem in Baden-Baden stationiertes Bataillon nach Nordafrika verlegt wurde, die Familienangehörigen aber weiterhin in Baden-Baden wohnen blieben und auch keine der leerstehenden Wohnungen freigegeben wurden, riß dem Oberbürgermeister die Geduld. "Die Stadt", so erklärte er, "hat die Verlogenheit der Vertreter der Besatzungsmacht in all den Jahren ohne Gegenwehr hinnehmen müssen." Die Verständigung zwischen den beiden Nationen sei in einer Art sabotiert worden, die "ausschließlich von Selbstsucht, Kurzsichtigkeit und Unklugheit" diktiert worden sei. Jetzt habe es mit der Langmut der Baden-Badener ein Ende.

Das Oberkommando der französischen Streitkräfte hat zwar in einer Erklärung gegen die Kritik des Oberbürgermeisters protestiert. Gleichzeitig wurden aber bisher Freigabebescheide für neunzehn leerstehende Wohnungen ausgestellt, die zum Teil auf Grund der Aufforderung des Oberbürgermeisters bereits von den früheren rechtmäßigen Besitzern bezogen worden waren.