Auch ein akutes Problem

Nicht die Frauen sind gemeint, die selbst in leitender Stellung der Wirtschaft tätig sind, sondern die Ehefrauen der Unternehmer und sonstiger Führungskräfte, vor allem in der Industrie. Wer denkt schon an sie, wenn von den wirtschaftlichen Problemen unserer Tage die Rede ist, zumal sie (außer bei den verhältnismäßig seltenen gesellschaftlichen Anlässen) kaum öffentlich in Erscheinung treten! Daß sie mittelbar wesentlich zur Leistungsfähigkeit ihrer oft bis an die Grenze des Erträglichen beanspruchten Männer beitragen, nimmt man allgemein stillschweigend an. Tun sie es aber wirklich? Können sie es überhaupt, wenn ihnen bei der Beanspruchung ihrer Männer häufig kaum mehr Zeit bleibt, auch nur die dringendsten familiären Angelegenheiten mit ihnen zu besprechen, geschweige denn in die Interna ihrer Tätigkeit einzudringen? Wie weit ist die Entfremdung zwischen solchen Ehepartnern fortgeschritten, oder wie oft bleibt bei aller Überforderung des Mannes noch ein Rest von harmonischem Eheleben erhalten, der beiden Partnern die Lösung ihrer so verschiedenartigen Aufgaben ermöglicht?

Über diese und viele damit zusammenhängende Fragen gibt keine Statistik Auskunft. Und doch dürften sie ein Problem umreißen, das gar nicht ernst genug genommen werden kann. Die dem Bundesverband der Deutschen Industrie nahestehende Gesellschaft zur Förderung des Unternehmernachwuchses, die seit zwei Jahren mit jeweils etwa 30 Teilnehmern die "Baden-Badener Unternehmergespräche" veranstaltet und kürzlich mit Teilnehmern der ersten beiden Gespräche in Berlin eine Aussprache über politische und wirtschaftliche Ostfragen mit hervorragenden Kennern der Materie vermittelte, ist sich dieser Problematik jedenfalls bewußt. Sie begrüßt es, wenn in Baden-Baden nicht nur drei Wochen lang die für ihre Unternehmen Verantwortlichen fachliche Sorgen unter sich behandeln, sondern auch ihren Ehefrauen Gelegenheit geben, an den Gesprächen über die allgemeinen sozialen, ethischen und sonstigen Grundfragen teilzunehmen. Diese Einladung entsprang der Erkenntnis, daß in der vom unmittelbaren Betriebsgeschehen losgelösten Atmosphäre dieser Gespräche eine sonst nur selten gegebene günstige Gelegenheit besteht, das sachliche Verständnis der Frauen für die umfangreichen Aufgaben zu wecken, die ihre Männer einem "normalen" Eheleben mehr und mehr entfremdet. gns.