Rohstofftendenz der Woche – Seite 1

Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG, dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Für die meisten Weltwarenmärkte war eine geringe Umsatztätigkeit, verbunden mit einem ruhigen Marktverlauf, kennzeichnend. Wenn trotzdem bei einigen der hier notierten Waren Preisfestigungen, zumeist relativ geringen Umfangsj stattgefunden haben, so ist diese Entwicklung auf einige Sondereinflüsse zurückzuführen.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 17. 10. bis 21. 10. vermittelt nachstehende Tabellen Getreide: Die US-amerikanischen Getreidenotielungen neigten während der Berichts woche sowohl in Chicago als auch am New Yorker Loco-Markt zur Schwäche. Nur vorübergehend hatte bei Weizen und Mais die Erwartung einer Belebung des Exportgeschäftes einen festeren Trend herbeigeführt. Im großen und ganzen war die Nachfrage sehr ruhig, und es zeigten weder die USamerikanischen Mühlen Kaufinteresse noch erholte sich das Exportgeschäft. Hinzu kam, daß infolge günstiger Witterung in den Anbaugebieten die Anlieferungen insbesondere von Mais verstärkt wurden, so daß auch hiervon ein Druck auf die Preise ausgeübt wurde.

Kupfer: Auf dem New Yorker NE-Metallmarkt sind bei Kupfer keine Veränderungen eingetreten. Man rechnet dort damit, daß die Kupfernotierungen bis zum Jahresende stabil bleiben werden, daß aber Anfang 1956 ein Rückgang eintreten wird. Bis zum Jahresende 1955 dürfte die Kupfergewinnung sich soweit erholt haben, daß ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage vorhanden sein wird. In USA-Fachkreisen rechnet man damit, daß der Inlandpreis wieder auf 36 c/lb zurückgehen könnte, d. h. auf den Stand von Anfang dieses Jahres. Führende USamerikanische Unternehmen haben in der letzten Zeit verschiedentlich geäußert, daß sogar ein Preis von etwas über 30 c/lb nach dem derzeitigen Produktionsstand und der allgemeinen Lage in der Kupferindustrie als angemessen zu bezeichnen sei. In London trat eine Erholung der Notierungen ein, wobei die Dispositionen sehr vorsichtig vorgenommen wurden, da mit einer Lockerung des Angebots, verbunden mit einer Preisabschwächung, gerechnet wurde. Gegen Wochenende trat dann aber erneut ein. Tendenzumschwung ein, und die Notierungen ermäßigten sich. Die Hauptursache hierfür waren die Verringerung der US-Importnachfrage sowie die Beeinträchtigung der Unternehmungslust in Zusammenhang mit Erwägungen über das britische Herbst-Budget

Zinn: In London weitete sich im Zusammenhang mit dem weiteren Rückgang der Zinnvorräte der Londoner Metallbörse die Backwardation erneut aus. Eine Stütze erhielt der Markt außerdem durch Arbeitsschwierigkeiten im Zinnbergbau von Nigeria.

Blei: Die feste Verfassung des US-amerikanischen Bleimarktes beeinflußte die Londoner Börse. Zum Teil war während der Berichtswoche mit einer Heraufsetzung des US-amerikanischen Bleipreises gerechnet worden, da einmal die GSA für ihre Käufe den gegenwärtigen Marktpreis von 15,25 c/lb bezahlt hatte und zum anderen drei führende Unternehmen den Zinkpreis heraufgesetzt hatten.

Zink: Anfang der Woche hatten einige Zinkproduzenten eine Erhöhung des Preises auf 13,50 c/lb vorgenommen. Da sich die restlichen Produzenten dieser Maßnahme nicht anschlössen, bestand ein gespaltener Preis von 13,00 bzw. 13,50 c/lb. Am letzten Tag der Berichtswoche wurde die Preiserhöhung wieder rückgängig gemacht, so daß Zink Prime Western, Lieferung East St. Louis, nunmehr einheitlich mit 13,00 c/lb notiert. Dies war offensichtlich deshalb erforderlich, weil die Nachfrage auf dem erhöhten Preisniveau nur sehr gering war. In London rief diese Entwicklung in den USA am letzten Tag der Berichtswoche eine kaum stetige Tendenz hervor.

Rohstofftendenz der Woche – Seite 2

Wolle: An den Wollversteigerungsplätzen war ehe festere Tendenz zu verzeichnen. Japan interessierte sich in Melbourne besonders für Comebacks und Kreuzzuchten. Obwohl der Londoner Wollterminmarkt im allgemeinen einen sehr ruhigen Verlauf nahm und mangelndes Kaufinteresse bei anhaltender Abgabeneigung Preisrückgänge auslöste, trat insbesondere zum Wochenschluß eine stetigere Tendenz ein, so daß leichte Preisgewinne zu verzeichnen waren. Die Streikbewegungen in den australischen Häfen und die leichte Erhöhung der Erlöse für Rohwolle waren die Ursache für diese Entwicklung. Am Bradforder Kammzugmarkt war die Geschäftstätigkeit in Merino- und feinen Kreuzzuchtkammzügen sehr ruhig. Die Preise hierfür lagen fest. Die Verarbeiter warten die Eröffnung der neuen Wollsaison in Neuseeland ab. – Im ersten Quartal der laufenden Saison hat sich der australische Wollscheck gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres infolge von Preisrückgängen um 10,74 Mill. A£ verringert und betrug 37,4 Mill. A£. Der Rückgang wäre noch größer gewesen, wenn die Verkäufe mit 535 948 Ballen nicht fast 7000 Ballen größer gewesen wären als im I. Quartal des Vorjahres. Der Durchschnittspreis von Schweißwolle betrug im ersten Quartal der laufenden Saison nur 55,33 d gegenüber 71,97 d im Zeitraum Juli bis September 1954.

Kautschuk: Nachdem am Anfang der Berichtswoche die Kautschuknotierungen bei lebhaftem Geschäft eine sehr feste Tendenz aufgewiesen hatten und Preissteigerungen gegenüber dem Vorwochenschluß eingetreten waren, ermäßigten sich die Notierungen erneut gegen Wochenende. Hierzu trugen Gerüchte bei, nach denen Indonesien die 5prozentige Exportabgabe auf Kautschuk abgeschafft haben soll.

Zucker: Der Loco-Preis des Weltkontrakts Nr. 4, der bereits Ende der Vorwoche auf 3,28 c/lb zurückgegangen war, ermäßigte sich nochmals um 0,01 c/lb, ohne daß sich hierdurch die Nachfrage belebte. Das Geschäft am New Yorker Terminmarkt verlief gleichfalls farblos. Italien erwartet in diesem Jahr eine Zuckerrübenernte, die um 7 bis 8 Mill. dz größer sein wird als im Vorjahr und die damit eine bisher noch nie erreichte Höhe hat. Die starke Zunahme ist auf eine Anbauflächenerhöhung von rund 20 000 Hektar zurückzuführen. Das französische Zuckeraufkommen in 1955 wird auf 1,4 Mill. t geschätzt, wozu noch rund 0,344 Mill. t aus Ländern der französischen Union hinzukommen. Der exportfähige Überschuß wird mit mehr als 500 000 t veranschlagt.

Kaffee: Während die Loconotierungen mehr oder weniger unverändert blieben, wiesen die Terminpreise in New York während des größten Teils der Berichtswoche eine Befestigung auf. Gegenwärtig macht sich eine Verknappung an gewaschenen Kaffees bemerkbar. – Die brasilianische Kaffeeausfuhr erreichte im September mit. 1,96 Mill. Sack eine Rekordhöhe, Die westdeutschen Käufe betrugen nach Mitteilung der deutsch/brasilianischen Handelskammer in den ersten sieben Monaten des Jahres nur rund 324 022 Sack, gegenüber 541 147 Sack im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Damit ist die Bundesrepublik von der zweiten Stelle auf die vierte Stelle der brasilianischen Kaffeeabnehmer gerückt. Auch die kolumbianischen Kaffee-Exporte des September 1955 erreichten einen Rekordstand. Die neue Ernte, die zum Jahresende angebracht wird, wird gegenwärtig auf über 2,5 Mill. Sack geschätzt.

Kakao: Am New Yorker Kakaomarkt neigten die Notierungen infolge des geringen Kaufinteresses der Verarbeiter zur Schwäche. Außerdem wurden Sicherungsabgaben wegen Anschaffungen von Bahia-Kakao und anderer Provenienzen vorgenommen.