Das "Berliner Wirtschaftsblatt" schreibt:

Gerade zu dem Zeitpunkt, in dem sich die Bundesregierung mit dem vielfach spürbaren Preisauftrieb beschäftigt, in einem Zeitpunkt, in dem sich der Bundesfinanzminister überlegt, wie weit er; die Zuckersteuer senken kann, damit der Zuckerpreis niedriger wird, tritt die Zuckerpreisverordnung vom 30. Juli in Kraft, die den Kleinverkaufspreis für 1 kg fabrikverpackten Zucker von 1,36 DM auf 1,40 DM, also um 2 Pfennig je Pfund, erhöht. Ganz offensichtlich besteht zwischen vordem beschlossener Verordnung und gegenwärtiger Preissorge ein Widerspruch, der insbesondere einer Reihe von Lebensmittelhandels-Großbetrieben aufgefallen ist. Sie lehnen es ab, mit Beginn des Monats Oktober den Preis für originalverpackten Zucker zu erhöhen.

Die Begründung ist so marktkonform, wie die Regierungsverordnung ihrerseits marktwidrig ist, obwohl sie auf einem Marktordnungsgesetz beruht, das die Bundesregierung zu Preisvorschriften berechtigt. Die Lebensmittel-Filialbetriebe, um sie handelt es sich, müssen nun gewärtig sein, daß sie, weil sie die Regierung bei ihrem Bestreben nach Preisstabilität unterstützen und damit gegen eine Regierungsvorlage verstoßen, die gegen Preisstabilität gerichtet ist, auf Grund dieser Verordnung an Hand des Wirtschaftsstrafgesetzes bestraft werden..."

Die Bundesregierung wird sich mutmaßlich darauf berufen, daß mit dem Inkrafttreten der Verordnung ganz allgemein auf Zucker der im Einzelhandel übliche Rabatt von 3 v. H. gewährt werden darf. In Pfennigen bedeutet dieser Rabatt genau den gleichen Betrag, den die Preiserhöhung ausmacht, so daß die Regierung behaupten kann, die Darstellung des Handels entspräche nicht den Tatsachen. Dieser mutmaßliche Regierungshinweis ist aber nur dadurch möglich, daß die Bundesregierung mit der Preisfestsetzung für fabrikverpackten Zucker diesem einerseits den Rang eines Markenartikels zuerkennt und gleichzeitig auf der anderen Seite durch die Erlaubnis der Rabattgewährung gegen die bei Markenartikeln üblichen Preisvorschriften verstößt... Würden nun die Lebensmittel-Filialbetriebe sowohl den Zuckerpreis nicht erhöhen, andererseits aber auch noch den Rabatt von 3 v. H. gewähren, dann könnten sie behaupten, sie hätten eine Preissenkungsaktion begonnen. Wenn sie deswegen bestraft werden sollten, so kann die ganze Marktwirtschaft einpacken."