Ludwig Berger, berühmt einst durch seine Märchenfilme, bekannt auch durch sein: vor einiger Zeit veröffentlichten Erinnerungen "Wir sind vom selben Stoff, aus dem die Träume sind" hat jetzt eine Erzählung geschrieben, die sich

"Die unverhoffte Lebensreise der Constanze Mozart" (Rainer Wunderlich, Hermann Leins, Tübingen, 5,90 DM)

nennt. In ihr sind nun die Farben so zart, daß man sie kaum noch unterscheiden kann. Alles wird zur Anmut, die Sprache tänzelt auf Zehenspitzen daher. Wie greifbar nahe lag in dieser Schilderung der Liebe des dänischen Etatsrates Nissen zu Mozarts Frau Constanze der Manierismus, der aber wurde von Berger behutsam durch das schlichte Gleichmaß einer sorgfältig verpackten Leidenschaft zum einfachen Wort immer wieder verdrängt. Manchmal wird allerdings "in der Schattentiefe die Blässe ihres Gesichts offenbar", und "durch die Lasur der Leichtfertigkeit dringt die Dunkelfarbe der Sorge." Da faltet man denn still die Hände und stellt freundlichen Gemütes und doch etwas murrend fest, daß hier fast kein Gleichnis der Sprache unziemlich gewagt erscheint und doch so "gar zierlich" erscheint, so ärgerlich pseudo-romantisch.

Bösewichter fehlen mit Maßen nicht, aber alles schwebt im Andante einer gutgemeinten Besinnlichkeit, pianissimo im Geiste eines Mozarts, der sich diesmal nicht auf der Reise nach Prag befindet, sondern in hehrer, aber unbeholfener Gestalt immer wieder durch den Kopf seiner Witve geistert, die, wohl kaum der Bedeutung ihres Mannes gewiß, nicht die Leistung des Toten verehrt, sondern ihren Teil des vergangenen Glücks mit Wehmut umhäkelt. Auch die Hauptfigur, der schüchterne, korrekte, ehrlich-bieder liebende Nissen, wächst mit seinem gezügelten Kummer moderato in eine späte Erfüllung hinein, da er sich an den Dritten im Bunde der Ehe, den unvergeßlichen Wolfgang Amadeus, lächelnd gewöhnt. i. j.