Genfer Konferenz: Molotows Vorschlag eines Sicherheitspakts auf der Basis einer fortdauernden Teilung Deutschlands und der Auflösung der NATO und der WEU zu einem "noch unbestimmten Zeitpunkt" fand bei den Westmächten keine Gegenliebe. Auf den Westvorschlag einer Garantie gegen einen eventuellen deutschen Angriff ging Molotow seinerseits nicht näher ein, dagegen akzeptierte er zur Überraschung seiner Verhandlungspartner Edens Gedanken einer entmilitarisierten Zone in Mitteleuropa. Offenbar sieht er darin eine willkommene Gelegenheit, das Thema einer "Entmilitarisierung Westdeutschlands" noch einmal zur Diskussion zu stellen, eine Wendung, die den Westmächten keineswegs angenehm ist. Molotows Versuch, Sowjetzonen-Vertreter an den Genfer Verhandlungstisch zu bringen, scheiterte am energischen Widerstand der drei Westmächte. Man einigte sich dahin, überhaupt keinen deutschen Vertreter zuzuziehen.

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Dulles bei Franco: Dulles traf am 1. November mit Staatschef General Franco zusammen, der damit zum erstenmal seit dem Bürgerkrieg den Außenminister einer Großmacht in Madrid begrüßte. Der Besuch wurde unter anderem dadurch veranläßt, daß Molotow sich kürzlich für die Aufnahme Spaniens in die Vereinten Nationen und in einen europäischen Sicherheitspakt aussprach. Wie es heißt, soll die Sowjetunion sogar Wirtschaftsbeziehungen vorgeschlagen haben.

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Israel und Egypten: Durch neue Grenzzwischenfälle verschärfte sich der Konflikt zwischen Israel und Ägypten. Das State Department hält seine Behauptung aufrecht, der Ostblock habe auch den Israelis Waffenlieferungen angeboten, was Ministerpräsident Sharett insofern bestätigte, als er bei seiner Abreise aus Genf erklärte, wenn die Lage sich zuspitze, werde Israel sich "anderswo" nach Waffen umschauen. Sharett hatte eine Aussprache mit Molotow, über deren Inhalt nichts bekannt wurde. Von den Westmächten verlangt er entweder eine wirksame Garantie gegen arabische Angriffe oder aber Waffen. Bisher sind die Westmächte nur bereit, ihre allgemeine Garantie des status quo im Nahen Osten vom Jahre 1950 noch einmal zu wiederholen und Israel "in gewissem Umfang" mitWaffen zu "defensiven Zwecken" zu beliefern. Dadurch soll das "Gleichgewicht wiederhergestellt", ein "Wettrüsten jedoch verhindert werden". Wie das praktisch möglich ist, bleibt ein Geheimnis.

Saar: Nach dem Rücktritt Johannes Hoffmanns wählte der Saar-Landtag den Präsidenten des Landesversicherungsamtes und der saarländischen Staatsbahnen, Heinrich Welsch, zum geschäftsführenden Ministerpräsidenten und beschloß Neuwahlen am 18. Dezember. Welsch bildete ein Fachkabinett aus Persönlichkeiten, die bisher parteipolitisch nicht hervortraten. Zur Begrüßung der neuen Regierung wurde im ganzen Saargebiet schwarzrotgold geflaggt. Von einer Kundgebung sahen die deutschen Parteien, die vorbildliche Mäßigung zeigten, jedoch ab. Die Saar-Debatte in der Pariser Kammer fand vor nahezu leeren Bänken statt.

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