Die Gußstahlwerk Bochumer Verein AG hat erst jetzt den Jahresabschluß des vor mehr als einem Jahre zu Ende gegangenen Geschäftsjahres 1953/54 vorgelegt. Das Ergebnis besteht in einem erneuten Verlust von 11,27 Mill. DM, durch den sich der Reinverlust auf 24,78 Mill. DM erhöht.

Einzelne Aktionäre übten hieran in der HV Kritik und versagten der Entlastung des Vorstandes und des AR aus diesem Grunde ihre Zustimmung. Ernstlich wurde dabei In Frage gestellt, ob es dem Bochumer Verein überhaupt gelingen würde, das verhältnismäßig hohe Verlustkonto (35 v. H. des AK) in absehbarer Zeit wieder abzutragen, geschweige denn den Anteilseignern eine Rendite zukommen zu lassen. Dr. Heinrich Deist, Bundestagsabgeordneter und Wirtschaftsprüfer in Köln, wies demgegenüber als AR-Vorsitzer darauf hin, das soeben – am 30. September – abgeschlossene Geschäftsjahr 1954/55 habe sich Im Umsatz und Erlös so günstig entwickelt, daß mit einer Verlustminderung zu rechnen sei. Der Verlust war im Geschäftsjahr 1953/54 durch Umsatzrückgänge und Preiszugeständnisse, die sich aus der Marktlage ergaben, entstanden. Davon konnte in dem nachfolgenden Geschäftsjahr 1954/55 nicht mehr die Rede sein. Du Gesamtumsatz hat sich im kräftigen Zuge der Konjunktur von 394 Mill. DM auf nicht weniger als 570 Mill. DM erhöhen können.

So wäre alles In bester Ordnung. Aber es läßt sich nicht verschweigen und die Gesellschaft ist ehrlich genug, sogar darauf hinzuweisen – vielleicht um allzu hohe Dividendenhoffnungen zu dämpfen –, daß es auf der Produktionsseite noch erhebliche Schwächen gibt. Der Bochumer Verein hinkt nach. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Hüttenwerken hat er ähnlich wie die August-Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn und das Hüttenwerk Salzgitter seine Vorkriegskapazität noch nicht wieder erreicht. Nur mit "Hängen und Würgen" (durch Überstunden und rücksichtsloses Ausfahren der Produktionsanlagen) ist es gelungen, in den letzten Monaten 85 v. H. der Rohstahlerzeugung von 1938 zu erreichen. Man könnte sagen, daß die ausreichende Versorgung der eigenen Betriebe mit Rohstahl eigener Produktion überhaupt der wunde Punkt des Bochumer Vereins ist. Dem Mangel an angemessener Stahlwerksleistung steht die erdrückende Kapazität des neuen Mehrzweckwalzwerkes mit allein 60 000 bis 70 000 t monatlich gegenüber. Die tiefere Ursache dieser innerbetrieblichen Unebenheit sind nicht nur die schweren Kriegsschäden, sondern vor allem die großen Verluste, die der Bochumer Verein nach dem Kriege durch die völlige Demontage seiner Elektroöfen erlitten hat. Daher hat er sich, um in der allgemeinen Konjunktur mithalten zu können, dazu gezwungen gesehen, Rohstahlblöcke von anderen Werken zuzukaufen. Hiermit ist natürlich ein wirtschaftliches und qualitatives Risiko verbunden, das sich der Bochumer Verein als renommierter Qualitätsstahl-Hersteller aber auf die Dauer nicht leisten kann.

Die Gesellschaft hat sich deshalb entschlossen, auf dem schnellsten Wege die Rohstahllücke zu schließen. Es ist der Bau eines modernen Stahlwerks vorgesehen, das die Rohstahlerzeugung auf 120 000 t monatlich erhöhen wird und 1957 in Betrieb genommen werden soll. Die Finanzierung in Höhe von rund 80 Mill. DM aus Eigenmitteln und langfristigen Krediten ist gesichert. Nochmals 80 bis 100 Mill. DM werden erforderlich sein, um in der zweiten Baustufe die Modernisierung des Hochofenbetriebes und die Rationalisierung weiterer Betriebsteile durchzuführen. Daß das Gelingen dieses gewichtigen Investitionsprogramms eine günstige Entwicklung in der Eisen- und Stahlindustrie nicht unwesentlich voraussetzt, dürfte sich am Rande verstehen. H.

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Ribana-Werke Wilhelm Benger Söhne, Stuttgart. Die Ribana-Werke Wilhelm Benger Söhne in Stuttgart haben 1955, wie anläßlich einer Vorführung der Bade- und Strandmodenkollektion für 1956 sowie der Perlon-Waschekollektion zu hören war, ihre Umsätze um etwa 6 bis 8 v. H. erhöhen können. Der Auftragsbestand hat noch darüber hinaus zugenommen, doch wird eine weitere Steigerung der Produktion durch den Arbeitskräftemangel behindert. Der Export konnte erfreulich gesteigert werden Er hat um etwa 6 v. H. zugenommen und bei der Tochtergesellschaft Benger GmbH. (Strumpffabrik) um 10 v. H. In Pullovern konnte die Ausfuhr um etwa 50 v. H. vermehrt werden. Die Produktion der Ribana-Werke, die zur Zeit etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigen, ist für das laufende Jahr ausverkauft.

Die Fabrik trocken- und feuchtklebender Papiere Dr. J. Neubronner, Oberursel/Kronberg Ts., feierte am 29. Oktober ihr 50jähriges Bestehen. Sie ist die älteste Spezialfabrik dieser Art. Ihre Klebstreifen verdanken ihre Entstehung einer Erfindung des Gründers der Firma, Dr. Julius Neubronner in Kronberg, der für die Einrahmung der damaligen Photo-Projektionsbilder eine Einfassung aus Papier mit einer wärmelöslichen Klebemasse erfand.