und ihre politische Bedeutung Eine Mahnung von Hans Rudolf Berndorff

Die glanzvolle Eröffnung des neuen Hauses der Hamburger Oper in Gegenwart des Herrn Bundespräsidenten muß nun allerdings doch zu einerErmahnung an die Intendanten aller deutschen Opernhäuser führen. Denn so unglaublich das auch klingt: Mit der Schlange, die bei Beginn des Stückes auftritt, um einen Prinzen zu fressen, ist in frivoler Weise Mißbrauch getrieben worden, da der Regisseur dies Tier nur als ein ästhetisches Requisit eingesetzt hat, während es sich doch um ein politisches Objekt handelt.

Damit der Leser das Thema richtig würdigt, muß zunächst einmal über die Bühnenschlange an sich etwas gesagt werden. Wie jedermann weiß, gibt es zwei Arten von Bühnenschlangen:

Erstens: die kleinbürgerliche Bühnenschlange;

Zweitens: die Gala-Bühnenschlange.

Über die kleinbürgerliche Schlange ist wenig zu sagen, weil sin in unserem Fall nicht aufgetreten ist. Sie kommt beispielsweise vor in Grillparzers Stück: "Der Traum – ein Leben." Hier versucht jene einen König zu fressen und wird – ebenso wie die "Zauberflöten"-Schlange – beim Versuch umgebracht. Ihr Auftreten hat aber den Erfolg, daß sich der nicht gefressene König vom großen Leben ab- und dem kleinen Leben zuwendet. Er ruft aus:

Denn die Größe ist verderblich