Vor 20 oder 30 Jahren war Schlagball eines der beliebtesten Spiele. Nun stirbt es aus. Denn zu den letzten deutschen Schlagballmeisterschaften in Hamburg hatten nur noch drei Bundesländer Mannschaften entsandt, und die Kämpfe wurden völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit auf einem kleinen, unansehnlichen Sportplatz ausgetragen.

Ein Spiel stirbt aus. – Wer noch nicht vom üblichen Wettkampfrummel und der sportlichen Sensationslust der Massen angekränkelt ist, kann nur betrübten Herzens davon Kenntnis nehmen, daß sich der Deutsche Turner-Bund, der mangelndes Interesse in seinen eigenen Reihen festgestellt hat, mit dem Gedanken trägt, das Spiel gänzlich einzustellen und auch die wenigen noch bestehenden Schlagballriegen aufzulösen. An Meisterschaften wird selbstverständlich schon gar nicht mehr gedacht.

Das Sterben dieses Spieles zeigt uns aber vor allem eins: den erschrecklichen Wandel, den unser Sport in den letzten 25 Jahren mit seinem Nervenkitzel und seinem Aufputschen der Sensationslust, der Hunderttausende genommen hat, die Sonntag für Sonntag in die Großkampfstätten strömen. Man braucht nur einmal aufmerksam die Zahlen zu lesen, die von den Sportunfällen beridhten. In den letzten drei Jahren wurden in Bayern allein 23 000 Sportsleute, darunter 75 tödlich, verletzt. Und welche horrenden Summen die Versicherungsgesellschaften dafür zu zahlen haben, mag man gar nicht mehr erwähnen. Mit Recht schreibt "Christ und Welt" daher: "Am Schluß eines Schlagballspieles wartete noch nie ein Chirurg mit der Narkose im Operationssaal. Daß dieses Spiel langsam hinstirbt, ist betrüblich. Und nicht nur, weil es den Abschied von einer Sportart bedeutet." W. K.