Osslp Kalenter: Ein gelungener Abend. Werner Classen Verlag, Zürich – Stuttgart. 87 Seiten, 4,80 DM.

Diese Sammlung "komischer Geschichten" beginnt leider mit der banalen: "Wenn die Ouvertüre vorüber ist", einer der üblichen Betrachtungen der Oper und der Sängerinnen ohne Illusion. Die anderen Skizzen und Spielereien eines boshaften und menschenkundigen Geistes bleiben auf der Ebene unpolitischer und treffsicherer Ironie. Überlegen und überlegt jongliert Kalenter mit allen Möglichkeiten, dem Alltag die skurrilsten Situationen zu entlocken, und arbeitet immer sauber auf eine Pointe hin. Ein Lehrbuch und eine Nachhilfeschule für die Phantasie.

Lux Bümperli: Auch ich habe gelebt. Bechtle Verlag, Eßlingen. 352 S., 11,80 DM.

Basel scheint dem Ausländer der Inbegriff des Spießigen zu sein, ein Ort, in dem sich Begriffe und Lebensregeln des Bürgertums, beharrlich erhalten und ebenso beharrlich befolgt werden. Eines hat eine Stadt dieser Art jedoch anderen voraus: sie erzeugt noch Originale, Menschen, die sich zum Beispiel wie Lux Bümperli auf der Basis der Konvention der "guten Gesellschaft" bewegen oder wenigstens glauben, sich dort bewegen zu können – gehört Bümperli doch zu den ersten Familien der Stadt! –, die aber durch – eine unveränderliche Beschränktheit und Andersartigkeit zu schrulligen Außenseitern werden. Lux also, verstoßen und verlacht von den Seinen, findet mit seiner einfältigen und unwiderstehlich komischen und rührenden Wesensart in einem kleinbürgerlichen Milieu zu seiner eigenen Überraschung eine tatsächliche Zugehörigkeit. Die fingierte Autobiographie ist teilweise etwas langatmig, besticht aber durch den gelungenen Stil der Satire, die niemals übertreibt.

Eric Knight: Sam Small fliegt wieder. Scherz und Goverts Verlag, Stuttgart, 249 S., 10,80 DM.

Der Autor führt den Leser nach Yorkshire, wo eine sagenhafte Vergangenheit mit Riesen, Zauberern und bärenstarken Männern bis in die Gegenwart hineinreicht. Sam Small, der eine mechanische Webspindel erfand und damit großen Reichtum erwarb, geht auf Drängen seiner energischen Frau Mully nach Kalifornien und verdirbt seiner Tochter fast die Filmkarriere, weil er plötzlich merkt, daß er fliegen kann. Mit dem Beweis dieser Fähigkeit versetzt er die Städtein Staunen, Angst und Aufruhr. Sams Stärke ist seine Einfalt – und seine Überzeugung, daß einem rechten Yorkshirer nichts unmöglich ist. So hat auch Mully dafür Verständnis, daß Sam sich während ihrer Abwesenheit einen Hund zulegt, der sprechen und sich in ein kleines niedliches Mädchen verwandeln kann. Sam. ein echter Nachfolger aller Schelmen, ist ein begrüßenswerter Zeitgenosse, lebensvoll und optimistisch, fabulierfroh und hintergründig zugleich.

Roland Schacht: Aufstand der Asketen. Eugen Diederichs, Düsseldorf, Köln. 317 Seiten, 12,80 DM.

Ein Koch, der Geschichte macht, ist die reizvolle Zentralfigur dieses "heiteren Zeitromans". Durch sonderbare Zufälle schlüpft Leon in das Gewand seines verstorbenen Herrn, wird selber Generaloberst und, da er weise und geduldig seine neue Stellung ausfüllt und sogar einen fast aussichtslosen Feldzug gewinnt, zum König gewählt. Er meint: "... jemand muß schließlich einmal den Mut haben, die Kette von Verbrechen, de gemeinhin Weltgeschichte genannt wird, zu unterbrechen" und versucht, sein Volk nach der Devise: Satter Mensch gleich zufriedener und glücklicher Mensch, zu regieren. Natürlich stürzt ihn die Opposition der Helden und Asketen, doch seine verloren geglaubte Ehefrau, die er als Geliebte des Gegner: wiederfindet, bereitet ihm durch ihre neuerwachte Liebe etwas, das Menschen selten gewährt wird: einen neuen Anfang seines Lebeis. So schließt sich der Kreis, der König wird wieder Koch eines Gasthauses. Diese beziehungsvolle und doch nicht durch Bezüglichkeiten belastete Erzählung besitzt die Atmosphäre eines romantischen Romans und zeichnet sich durch die gelungene Verbindung von Witz und leiser Melancholie aus. sy