Von René Schickele

Die ersten Stauden haben wir wohl ocer übel in den Dreck pflanzen müssen. Wir arbeiteten im Regen, der den gut gedüngten Lehmboden in einen Morast verwandelte, worin wir, mit aufgekrempelten Hemdsärmeln schaffend, eher Bäckern als Gärtnern glichen. Wir troffen von Wasser, um jede Pflanzstelle bildete sich gleich ein See, aber ich weiß aus Erfahrung, daß die also roh gebetteten Blumen dennoch den Winter überstehn. Aus Erfahrung warte ich nicht auf den Tag, wo die Beete schön trocken sind, um sie vorschriftsmäßig zu betreten. Da hätte ich zum Beispiel mit der Frihjahrspflanzung bis heute warten können. Solange wir daheim waren, ist unser Gartenboden nie ganz trocken gewesen. Er wird es gewiß nicht mehr vor dem Frost. Mochte es denn regnen – wir pflanzten!

Um die Mitte des Monats kamen schöne Tage und überlebten sich verzückt in der Mondnacht. Der Morgen lag von Reif glitzernd unter einem sanften Himmel, lautlos weideten Kühe den Hang herauf. Die Jungen, die sie hüteten, waren stumm. Einmal knallte einer mit der Peitsche, was ein schönes Spiel ist, aber nicht lange, dann tat ihm das knatternde Echo aus dem Wald wohl auch weh wie mir, und die kleinen Hirten schienen in den Fäden des Altweibersommers traumhaft hin und her zu fahren über die Wiesen samt ihren Kühen.

Von Zeit zu Zeit kam ein Windhauch, da flog die Stille über das Land.

Kaum, daß man die Zeichnung der Vogesenkette erkannte. Dunst wie ein Paradiesgartendickicht schloß die Ebene ein, die einen seltsam zufriedenen Ausdruck zeigte.

Gegen Abend traten die Vogesen hervor, ein blauer Schattenriß, auf die Wand des helleren Himmels geworfen. Die untergehende Sonne war ein großes Geldstück, das langsam in die Sparbüchse fiel – so, wie man auf einem verlangsamten Film Pferde über eine Hürde springen oder Kugeln fliegen sieht.

In solcher Herrlichkeit pflanzten wir die letzten Stauden. Nachts gingen wir in den Mond bis zu einer Bank, von der man über ein kleines, vielfach bewegtes, aber geschlossenes Tal blickt.