Das Deutsche Volksheimstättenwerk, Köln, hat auf Kosten der Bausparkasse Wüstenrot und des Bundesfamilienministeriums eine Untersuchung der Wohnwünsche der bundesdeutschen Bevölkerung gestartet. Der dem Bielefelder EMNid-Institut erteilte Auftrag wurde "termingerecht", das heißt zur zweiten Lesung des Wohnungsbau- und Familienheimgesetzes ausgeführt.

"Wollen Sie als Mieter oder als Eigentümer wohnen?" lautete die Frage, die insgesamt 2930 nach einem leider nicht beschriebenen Quotenverfahren ausgewählten Personen im gesamten Bundesgebiet vorgelegt wurde. Das Ergebnis: Über die Hälfte aller Befragten möchte gern als Eigentümer wohnen, und mehr als zwei Drittel bevorzugen ein Ein- oder Zweifamilienhaus – während zur Zeit noch nicht ein Viertel Eigentümer ist und knapp die Hälfte der Befragten in Ein- oder Zweifamilienhäusern wohnt. Von 100 der befragten Personen, die jetzt zur Miete wohnen, möchten künftig 42 Eigentümer ihrer Wohnung sein.

Unter den Berufsgruppen stehen nach dieser Befragung die Landwirte mit 96 v. H. und die selbständigen anderen Berufe mit 74 v. H. an der Spitze der Eigentumsaspiranten. Diese beiden Gruppen haben schon heute mit 84 und 33 v. H. die höchsten Prozentsätze an Eigentümern. Aber auch von den durch das Institut für Verbrauchsforschung der EMNid KG, Bielefeld, befragten Arbeitern (ohne Landarbeiter) sowie den Angestellten und Beamten wünschen sich 45 bzw. 46 und 48 v. H. ein Eigenheim, wogegen in diesen Berufsgruppen augenblicklich nur 11 v. H. Eigentümer sind. Von den Landarbeitern wohnen jetzt 84 v. H. zur Miete. Von diesen wünscht sich jedoch fast die Hälfte ein eigenes Haus.

Vier Mietwohnungen – ein Eigenheim, so war bisher das Verhältnis im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Die Wohnungsmarktforschungen haben aber wohl doch so viel erwiesen, daß in Zukunft das Eigentum mehr berücksichtigt werden muß. Wohnungspolitikern und Stadtplanern muß jedoch die deutlich spürbare Absage an die Mehrfamilien-Etagenhäuser in Stadtzentren noch viel mehr Kopfzerbrechen machen, als die gewünschte Rechtsform der Wohnungen. Auch die "Neue Heimat", ein bekanntes Hamburger gemeinnütziges Wohnungsunternehnen, hat gemeinsam mit der "Süd-Hausbau G.m.b.H.", München, eine Befragung nach Vohnwünschen in elf Großstädten durchgeführt. Vororte mit ländlichem Charakter (mit der Möglichkeit, Kleinvieh zu halten, die jedoch längere Fahrzeit zum Arbeitsplatz bedingen) scheinen bei der Großstadtbevölkerung (nach der Befragung der "Neuen Heimat") keinesfalls beliebt zu sein. 9 v. H. der Befragten möchten Stadtzentren entkommen, aber nur 5 v. H. möchten auf dem Lande wohnen. Rund 53 v. H. der Befragten (heute sind es 44 v. H.) wollen in verkehrsmäßig unmittelbarer Reichweite der Stadt wohnen. 78 v. H. der Großstadtbevölkerung halten eine Wegdauer von mehr als 30 Minuten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz nicht für tragbar. Der Erforschung der Wünsche hinsichtlich der Größe der Wohnungen war in den Fragebögen der "Neuen Heimat" eine klärende Bemerkung vorangestellt: "Gehen Sie bei Ihrer Antwort davon aus, daß Sie ein Zimmer von 15 qm nicht unter 20 DM und ein halbes Zimmer nicht! unter 10 DM monatlich belastet." – Zwei- bis Dreizimmerwohnungen werden von 60 v. H. der Befragten gewünscht. Das entspricht durchaus den Erwartungen der Autoren des Fragebogens; etwas; überrascht hat der vielfach geäußerte Wunsch, statt eines großen Wohnzimmers lieber zwei kleinere oder mindestens einen unterteilten Wohnraum zu haben (Wohn- oder Arbeits- und Eßzimmer). Ganz allgemein wird je Familienmitglied ein Raum gewünscht, bei größeren Familien begnügt man sich mit einem Raum weniger, als Menschen unterzubringen sind.

Die "Eßküche", heute noch in dreivierteln aller Wohnungen vorhanden, scheint ihre Beliebtheit zu verlieren. Die Hälfte aller Befragten wünscht sich eine reine Funktionsküche mit streng rationalisierter eingebauter Einrichtung. Vornehmlich die größeren Haushalte, im Durchschnitt jedoch 45 bis 60 v. H. der Befragten, wünschen sich die Energieversorgung der Küche kombiniert aus Kohle und Gas oder Kohle und Elektrizität. Offensichtlich ist dieser Wunsch durch die schlechten Erfahrungen mit der Strom- und Gasversorgung während des Krieges und bei Streiks zurückzuführen.

Sich auf ein Brausebad beschränken, um mehr Raum für die übrige Wohnung zu gewinnen, wollten nur 17 v. H. der Befragten. Dreiviertel plädierten für das normale Wannenbad. Der Rest ist mit einem Sitzbad zufrieden. In Norddeutschland heizen heute 73 v. H. der Bevölkerung mit Kohleöfen, in Süddeutschland sogar 86 v. H. In Hamburg wünscht sich jedoch die Hälfte der Befragten eine Zentralheizung. Hilde Hoff