j. f., Tübingen In Baden-Württemberg gibt es Leute, besonders

unter den Politikern, denen dieses an Größe ohnehin bescheidene Land noch nicht klein genug ist. Die Aufspaltung zwar hat kaum noch eine wirkliche Chance, dafür verfangen die Argumente bei den breiten Massen zu wenig – und so versuchen die Minimalföderalisten es auf anderem Wege, über die Einteilung des Landes in "Regierungsbezirke" nämlich, die sich zwischen die Bezirks- oder Landratsämter (früher Oberämter genannt) und die Landesregierung einschieben. Das ist eine neue Einrichtung. Nur die Besatzung hat einmal in Württemberg "Kreisregierungen" einführen lassen, die aber als bloße Aufblähung der Verwaltung niemals populär waren und nach kurzer Zeit aufgehoben wurden.

Tübingen und Freiburg etwa wurden nur zu Regierungsbezirksstädten, weil die Franzosen sie zu "Residenzen" der geteilten Länder bestimmten. Immerhin sind es noch mittlere Städte, und das scheint den Kirchturmspatrioten ein Dorn im Auge zu sein. Da gibt es zum Beispiel den rührigen Landtagsabgeordneten Gog (CDU), der sich zum Anwalt des kleinen Zollernländchens gemacht und die Verlegung des Regierungspräsidiums von Tübingen nach Sigmaringen der Residenz des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, betrieben hat. Nun verfügt dieses Städtchen keineswegs über die dafür nötigen Gebäude und Wohnungen. Es müßten zunächst 20 bis 25 Millionen für Neubauten aufgebracht werden, während sie in Tübingen unter dem Druck der Besatzung bereits erstellt wurden.

Ministerpräsident Müller stimmte daher mit der Mehrheit für Tübingen, seinen eigenen Wahlbezirk. Die Sozialdemokraten gingen noch weiter. Sie veranlaßten die Staatsregierung, einen Ausschuß unabhängiger Sachverständiger einzusetzen, der prüfen soll, ob die vier Regierungsbezirke nicht überhaupt entbehrlich sind, und wie – sollten sie entbehrlich sein – sie nach Umfang und Aufgaben gestaltet sein müßten, um rationell zu arbeiten.