Die echten Probleme der (überhitzten?) Preisdebatte liegen häufig abseits der großen Argumente. Sie liegen oft dort, wo man sie kaum vermutet. Daß die Verbraucher selbst an der Entstehung dieser Preisprobleme mitbeteiligt sind, ist bekannt. So wird jetzt von einer Beamtin in einem Bonner Ministerium berichtet, ein Möbelfabrikant habe ihr eine moderne Kücheneinrichtung gezeigt, die er zum halben des sonst üblichen Preises herausgebracht hatte. Aber: der Absatz dieser Serie stockte, der niedrigere Preis kam bei unveränderter Qualität und Ausführung einfach nicht an ...

Ähnliche Beispiele ließen sich aus vielen Branchen des Einzelhandels berichten. Ein Lederwarenhändler bot im Schaufenster eine gute Aktentasche für 12,50 DM an. Sie war erst zu verkaufen, als man den Preis auf 21 DM "heraufgesetzt" hatte.

Der Verbraucher vergißt bei seinem Urteil über die Preissituation nicht nur, daß die Qualitätsansprüche im allgemeinen erheblich gestiegen sind, sondern daß es auch andere Relationen zwischen Preis und Qualität gibt als die herkömmlichen. Hier eine Änderung herbeizuführen, wäre auch eine Aufgabe für den fortschrittlichen Einzelhandel (hinsichtlich der Erziehung der Verbraucher). Man muß Konjunkturpolitik nicht unbedingt nur auf höchster Ebene treiben. Sie beginnt schon – und hier vielleicht viel wirkungsvoller – im Schaufenster, im Zeitungsinserat und hinter der Theke. Der Handel sollte den von den Verbraucherverbänden anläßlich der Kundgebung in Köln proklamierten Slogan "Man rechnet wieder mit dem Pfennig" aufnehmen. Vielleicht hätte man damit ein nachhaltiges Mittel gegen das Preisfieber. – um.