Seit Generationen sind manche Handwerkszweige gewohnt, "die" Industrie als ihren "Totengräber" anzusehen. Daß der Zwang zu erhöhter Produktivität bei immer knapper werdenden Arbeitskräften und damit die Notwendigkeit zu verstärkter Rationalisierung zu einer völlig neuen Partnerschaft der einstigen "feindlichen Brüder" führen kann und sollte, macht eine Sonderschau der rührigen Berliner RKW-Zweigstelle "Elektro-Fertigung und -Installation" deutlich. Sie ist zustande gekommen unter Mitarbeit weitbekannter großer deutscher Firmen der Elektroindustrie, von Hoch- und Fachschulen, der Elektro-Innung und der Handwerkskammer, des Bau- und Wirtschaftssenators, des Verbandes der Elektroindustrie und der Industrie- und Handelskammer, Ihr Hauptzweck besteht darin, die seit langem in der Industrie gesammelten und bisher meist als "Fabrikgeheimnis" gehüteten Erfahrungen in rationeller Fertigung dem Handwerk mitzuteilen. Daß diese Absicht unter den heutigen Verhältnissen kein Akt der reinen Gefälligkeit, sondern für beide Teile wirtschaftlich sinnvoll und notwendig ist, wird hier an vielen konkreten Beispielen deutlich,

Während sich die industrielle Fertigung zwangsläufig immer mehr zur Großserie entwickelt, wächst das Handwerk aus der Rolle des gelegentlichen Zulieferers immer mehr in die eines Produzenten hinein, der durch die Beschränkung auf kleine und mittlere Serien den individuellen Bedürfnissen Rechnung tragen kann. Will das Handwerk dabei nicht im Wettbewerb der Kosten unterliegen und trotz des zunehmenden Menschenmangels leistungsfähig bleiben, dann muß es sich radikal von den überlieferten Arbeitsmethoden abwenden. Das gilt besonders für alle Zweige der Instandsetzung und liegt im ureigenen Interesse der Industrie, die damit ihre Produktivität auf die Massenfertigung konzentrieren kann. Daß sich diese Partnerschaft und Arbeitsteilung nicht auf technische Fragen zu beschränken braucht, sondern auch die Wirtschaftliche Problematik und selbst Fragen der Menschenführung umfassen kann und sollte, zeigen die während der Ausstellung stattfindenden Fachvorträge mit anschließender Aussprache. Es wäre zu wünsehen, daß dieses Beispiel "rationeller Partnerschaft" auch außerhalb Berlins recht viele Nachahmer fände. G-r.