M. A., Karatschi, im November

In der Hauptstadt Pakistans läuft zur Zeit die dritte Internationale Industrie-Ausstellung, zu der täglich Tausende und aber Tausende durch die engen Eingangspforten strömen. Die Sowjetunion, Mieter der größten Ausstellungsfläche, hat einen pompösen und üppigen Palast errichtet, eine Mischung von Kreml und Moschee überragt von einem Riesenturm, von dem herab nachts ein feuriger roter Stern das Feld beherrscht. Der USA-Pavillon steht – diplomatisch – gegenüber, bescheiden und ebenerdig, hat aber ein komplettes Fernsehstudio mit durchgehendem Programm als Schlager mitgebracht. Man darf nicht vergessen, daß es so etwas hier noch nicht gab.

Rotchina hat den zweiten Platz, was die Ausdehnung betrifft, eingenommen. Wenn man die eleganten Stände der Chinesen, die geschmackvoll und mit viel Zärtlichkeit für Details dekoriert sind, mit der Warenhausausstattung des sowjetischen Hauses vergleicht, ist man versucht, den Chinesen völlig zu verfallen. Es ist aber auch so wunderschön und unpolitisch, wohingegen bei den Sowjets (aber auch bei anderen) der Propagandaunterton bemerkbarwird. Als Delikatesse brachten die Chinesen Delikatessen in Dosen mit, die sie zusammen mit Seiden aus Schanghai und Zigaretten aus Kanton und allerlei Kuriosa aus Peking kundendiensteifrig en détail verkaufen. England und viele andere Ost- und Weststaaten füllen kleine und bescheidene Hallen. Der große pakistanische Pavillon ist eigentlich ungefüllt, da das Gastland noch nicht ganz soweit ist ...

Indien ist würdig, schlicht und schön vertreten, obwohl die Eingänge zur indischen Halle oft von der Polizei abgeriegelt werden, da gewisse Elemente ab und zu versuchen, die einheimische Bevölkerung in Sprechchören zu Ausschreitungen zu verleiten. Die Kaschmirfrage gehört eben immer noch zu den brennenden und ungelösten Problemen der Welt. Und der Rest der Ausstellung ist mit Einzelständen, Verkaufsbuden, Karussells, Lautsprechern und Schaustellerbuden gefüllt. Das schreit, tutet und brüllt mit jener orientalischen Vorliebe für recht viel ohrenbetäubendes Geräusch! Und das ist eigentlich der Schluß – es wird viel Lärm (um nichts) gemacht.

Die Bundesrepublik ist in diesem Jahr nicht vertreten, weil sie, wie ein Sprecher der deutschen Botschaft in Karatschi sagte, die Unkosten scheue. Außerdem hat die deutsche Industrie den Lärm hier nicht nötig: sie hat ihre festen Kunden in diesem Land, ihre festen Aufträge, und mehr lassen sich bei den scharfen Einfuhrbestimmungen Pakistans nicht heranholen. Im ganzen gesehen, ist die diesjährige Industrieausstellung ein großer Rummel für die wenig verwöhnten Pakistanis, die alles mit großen Augen bestaunen, mit gefährlichen Tendenzen politischer Propaganda von Seiten fast aller Ausstellungsländer.