Können Sie mir eine halbe Stunde Ihrer Zeit widmen?" fragte am Telephon die Stimme eines Unbekannten. "Ich komme auf eine Empfehlung Ihres Freundes Alfred." Und so verabredeten wir uns für halb elf Uhr vormittags in der Halle des Park Lane Hotels.

Es war ein heißverhangener Julitag des Jahres 1937. Und das Anliegen meines neuen Bekannten paßte in die Zeit. Er hatte ein bedeutendes Vermögen in die Emigration zu retten vermocht. Mit siebenundfünfzigtausend englischen Pfunden war er nun in London eingetroffen. Auf dem Wege der endgültigen Auswanderung: Neu-Zeeland ...

"Aber Neu-Zeesland ...", meinte ich überrascht, "so entsetzlich weit weg!" – "Weit ist es weg. Aber – von wo?"

Dann gab er mir die Adresse der Herren Whitcomb & Meyers, Spediteure und Makler, die seine Auswanderungsangelegenheit bearbeiteten und die auch den Transfer des Geldes vornehmen wollten. Ich sollte ihn begleiten. Und sein Geld. – Das Hauptgebäude war vier Stockwerke hoch. Wir stiegen hohe, hölzerne, ausgetretene Treppen empor und gelangten in einen dunklen Vorraum, den eine vielfach unterteilte Glaswand von kleinen Fensterchen gegen eine mächtige Kanzlei abgrenzte. Viele Angestellte saßen auf hohen Stühlen und schrieben eifrig, mit grünen Augenschirmen bewaffnet. Sie schrieben mit Federn.

Mein Schützling öffnete seine große Ledertasche. Vor dem Kassenschalter wurden die siebenundfünfzigtausend Pfund gezählt. Lauter große Banknoten. Dann trug der Kassierer das Geld nach einem altertümlichen, dunkelgrün gestrichenen Panzerschrank, verstaute es, und widmete sich weiter seiner Arbeit. Wir beide harrten.

Bis mein Auswanderer unruhig wurde und auf das Schalterbrett klopfte. Der Kassierer blickte zu ihm auf und schob seinen grünen Cellophanschirm etwas zurück:

"What can I do for you, Sir?" – Mein Begleiter, nervös, und der englischen Sprache unsicher: "I have Ihnen gegeben – you know – in cash – seventysiebzig – ich mein’ fünfzig-fiftytausend–" – "I see, Sir! Yes, indeed! I got from you fiftyseventhousandpound –" Er blickte erschrocken und fragend zu uns. "And – please, Sir –?"