Von Ruth Lutz

Eine seltene Begegnung mit menschlicher Güte vermittelt uns das neue Buch von

Max Tau: "Denn über uns ist der Himmel". Roman, 316 S., 14,80 DM, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg.

Selten, weil unsere Zeit so arm ist an einer solchen echten, in religiösen Tiefen begründeten Humanität, und weil wir – durch unsere eigene Schuld – verarmt sind an solchen Menschen, wie sie Max Tau repräsentiert.

Bei dem aus Deutschland emigrierten Max Tau, dessen neuer Roman zuerst in seiner Wahlheimat Norwegen veröffentlicht wurde (siehe DIE ZEIT, Nr. 1/1955: "Das Buch des Auslandes"), erscheint diese Religiosität wie ein überkommenes Erbe, eine Verbindung jüdischer und christlichhumanistischer Kultur, die er zu retten versucht. Die Lebensgeschichte des jüdischen Jungen Jaroslav, der die politische Entwicklung der Tschechoslowakei miterlebt und erleidet, bis der Eiserne Vorhang ihn von seinen Freunden trennt, demonstriert in jeder Phase Versöhnungsbereitschaft, Liebe und einen unerschütterlichen Glauben an die Wirksamkeit des Guten. – "Unsere Aufgabe ist es, zu versöhnen, damit aus dem Bösen das Gute geboren wird", läßt Max Tau einen aus dem KZ zurückgekehrten alten Mann sagen. Im Vertrauen auf die Kraft des Guten bleibt Jaroslav in der kommunistischen Volksrepublik, um Widerstand zu leisten nicht mit Waffen, sondern "mit dem Herzen" "Denn nie wieder darf der Mensch geopfert werden..."

Des Verfassers Ziele liegen ganz im Ideellen. Nicht die Erzählung als solche, die eher biographisch als romangemäß erscheint, macht den Wert des Buches aus. Doch selbst in gewissen formalen Schwächen bestätigt sich noch dieser Wert: auch da, wo der Verfasser abgenutzte Formulierungen nicht scheut, übermitteln die Worte ihre Botschaft: weil sie von der Kraft des Herzens getragen werden.