Der 5. Juni war der Stichtag, an dem das ehemalige reichseigene Filmvermögen auf Grund des diesbezüglichen Gesetzes von 5. Juni 1953 in private Hände überführt sein sollte. Dieser Termin ist verstrichen, und die Chancen, einen Interessenten für die Bavaria Filmkunst GmbH zu finden, scheinen nicht besser geworden zu sein. Noch vor über Jahresfrist war der Münchner Industriefinanzier Rudolf Münnemann als aussichtsreichster Bewerber angesehen worden. Der geforderte Kaufpreis jedoch, so erklärte Münnemann, machte das Objekt uninteressant. Seither gingen die Kombinationen um andere Interessenten weiter; man sprach von Bankengruppen und auch von Industriekreisen. In der Tat jedoch ist die Bavaria Filmkunst GmbH noch immer unverkauft.

Das bayerische Wirtschafts- und Finanzministerium haben nun gemeinsam dem Bundeswirtschafts- und -finanzministerium vorgeschlagen, die Bavaria Filmkunst GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Die Aktien der neugegründeten Gesellschaft könnten von einer Bank – gedacht ist an die Süddeutsche Bank – solange treuhänderisch verwaltet werden, bis ein Verkauf "zu angemessenen Bedingungen" möglich ist. Das bayerische Wirtschaftsministerium stellt dabei in Abrede, daß unangemessen hohe Kaufforderungen Schuld daran seien, wenn noch immer kein Interessent gefunden werden konnte; es weist darauf hin, daß die ansprechenden Ansätze im Verkaufsprospekt acht auf dem Verkaufswert, sondern auf dem Substanzwert basierten. Ursache des Desinteresses sei vielmehr die Unrentabilität der Filmproduktion infolge der Überschwemmung des deutschen Markes mit ausländischen Filmen und die in der gegenwärtigen Höhe untragbare Vergnügungssteuer.

Auf Grund der besonderen Verpflichtungen, die dem bayerischen Staat aus der Betreuung der Bavaria erwachsen, wird in Bayern die Bürgschaftsaktion für die Filmwirtschaft vorerst weiter fortgesetzt; das Bürgschaftsvolumen, das revolvierend eingesetzt werden kann, beträgt 5 Mill. DM. Das weitere Schicksal auch dieser Bürgschaftsaktion wird wesentlich von dem Verkauf der Anlagen der Bavaria GmbH (oder in spe AG) abhängen.

Sollte, wie es das bayerische Wirtschaftsministerium hinstellt, wirklich die allgemein ungünstige Situation am Filmmarkt schuld daran sein, wenn es bisher zu keinen konkreten Verhandlungen über den Verkauf der Bavaria kam, dann dürfte allerdings noch einiges Wasser durch die Isar laufen, bis sich Interessenten finden, die die GmbH oder aber die AG zu den angemessenen Bedingungen kaufen wollen. t. r.