j. p., Saarbrücken

Sozialdemokratische Partei Saar (SPS) und die Christliche Volkspartei (CVP) des zum Rücktritt gezwungenen früheren Ministerpräsidenten Hoffmann, die bis zur Abstimmung an der Saar mit Emphase für Statut und enge Bindung an Frankreich eintraten, haben nach der eindeutigen Ablehnung des Statuts durch die Bevölkerung überraschenderweise die Rückgliederung des Saargebiets an Deutschland gefordert. In der "Volksstimme" (SPS) versuchte ein führendes Mitglied der Partei sogar, die Parteien des Heimatbundes in ihren Anschlußbestrebungen zu überspielen, indem er sagte: "Wir sind dagegen, daß die Saar ein eigenes Bundesland wird, wir werden aber verlangen, daß der Sitz der Landesregierung Rheinland-Pfalz nach Saarbrücken verlegt wird."

Am gleichen Tage hieß es in der "Saarländischen Volkszeitung" (CVP): "... Nach der Ablehnung des Saarstatuts muß eine andere Lösung angestrebt werden. Daran konstruktiv mitzuarbeiten, sollte sich die CVP im Interesse der ihr nach wie vor vertrauenden Bevölkerungsteile angelegen sein lassen. Die nationale Zugehörigkeit des Saarlandes zum Deutschen Reich in den Grenzen von 1937 müßte als offizieller Programmpunkt der CVP aufgenommen ... werden."

Für die diesen Parteien "nach wie vor vertrauenden" Bevölkerungsteile muß diese radikale Schwenkung ein Schock sein, ein krasses Beispiel für den Wankelmut und den Opportunismus politischer Glücksritter.

Das von der "Volkszeitung" beschworene Vertrauen dürfte vielleicht noch die Abstimmung, sicher aber nicht die Veröffentlichung der zitierten Artikel überlebt haben, wenn die Wähler, die vielleicht aus ehrlicher Überzeugung dem Statut ihr Ja gaben, erkannt haben, daß es seinen Propagandisten nicht um die Sache, sondern um ihren Einfluß und ihre Position zu tun war. Nach diesem allzu wendigen Diversionsakt wird man der CVP und der SPS ihren Rückgliederungselan genausowenig abnehmen wie ihre so schnell erloschene Liebe zum Statut. Im übrigen haben diese Parteien durch ihre Handlungsweise eine alte Wahrheit aufs Neue exemplifiziert: Bis zu einer gewissen Grenze können Parteien den Willen eines Volkes bestimmen, jenseits dieser Grenze aber schreibt schließlich doch das Volk den Parteien ihren Weg vor, weil sowohl der historischen Wahrheit als auch dem Willen zu Freiheit, Recht und Selbstbestimmung eine Kraft innewohnt, ein Sog, gegen den es selbst nach einem Jahrzehnt der Unterdrückung und der Propaganda keinen Widerstand gibt.