Die auf Grund des alliierten Krupp-Planes am 16. Februar mit Wirkung zum 1. Oktober 1953 gegründete Steinkohlenbergwerke Hannover-Hannibal AG, Bochum-Hordel, hat jetzt ihre ersten Geschäftsberichte für das Rumpfgeschäftsjahr 1953 und für 1954 vorgelegt. Auch jenes Bergbauunternehmen gehört In die Mitgliedschaft des (noch nicht gegründeten) Vereins der Entflechtungs-Geschädigten. Für den eigenwilligen Plan der Alliierten, nach über 80jähriger Zugehörigkeit zu Krupp aus dem Verbund einer großen Firma gerissen zu werden, zahlt die Zeche nun ihre Zeche. Die ersten 15 Monate des Eigenlebens schließen mit 7,795 Mill. DM Verlust bei 35 Mill. DM AK ab. 1872 wurde das Bergwerk Hannover von Alfred Krupp, die Zeche Hannibal 1899 durch die Firma Fried. Krupp erworben und als Betriebsabteilung des Konzerns geführt. 1947 feierten beide Zechen ihr hundertjähriges Jubiläum. Im Zuge der Entflechtung ist der neuen Firma aus dem Besitz der Deutsche Erdöl AG, Hamburg, die Nachbar-Zeche Königsgrube mit knapp 100 Mill. t Kohlenvorrat zugeschlagen und damit ein alter Kaufplan der Firma Krupp verwirklicht worden. Das aber ist auch der einzige Lichtblick in der Entflechtung.

Früher bildete das Unternehmen die Kohlengrundlage für die Hochöfen Krupps in Rheinhausen, der heutigen Hüttenwerk Rheinhausen AG. Jetzt steht es allein ohne den finanziellen und verbundwirtschaftlichen Rückhalt an die Firma Krupp. Auf der HV der Zeche am 27. Oktober war der alleinige Aktionär Fried. Krupp durch den von den Alliierten eingesetzten Treuhänder vertreten. Er genehmigte den Verwaltungsvorschlag, den Verlust vorzutragen. In dieser roten Zahl ist auf Grund des Organschaftsvertrages ein Verlust bei der Krupp Kohlechemie GmbH, Wanne-Eickel, von 180 000 DM enthalten.

Auf einer Pressekonferenz teilte der Vorsitzer des Vorstandes, Bergassessor a.D. Fritz Lange, mit, daß das Unternehmen 1955 den Umsatz 1954 von 100 Mill. DM etwas überschreiten werde. Die Tagesförderung der Zechen läge zur Zeit bei 7000 t, könnte aber um 600 t höher liegen, wenn nicht in den letzten beiden Jahren 35 Hauer und Lehrhauer die Zechen verlassen hätten. Diese Fehlmenge würde sogar ausreichen, um die in 1955 erlittene Ertragsminderung aus höheren Löhnen und Materialkosten von etwa 3,8 Mill. DM auszugleichen. Lange bestätigte, was Bergassessor a. D. Funke von der GBAG einige Wochen zuvor bereits erklärt hatte: die Förderkapazität des Ruhrbergbaues könnte um 10 bis 12 v. H. höher als gegenwärtig liegen, wenn genügend Arbeitskräfte zur Verfügung ständen.

über die Lage des Unternehmens war zu hören, daß sich der Anschluß der alten DEA-Zeche gut auswirke. Mit der Krupp-Kohlechemie GmbH in Wanne-Eickel sei ein Betriebsüberlassungsvertrag über die Inbetriebnahme der seit Jahren: stilliegenden Anlagen abgeschlossen worden. Es werde eine Ammoniaksynthese-Anlage mit einem Bauaufwand von 21 Mill. DM errichtet werden, deren Inbetriebnahme etwa im April 1957 mit 42 000 t Reinstickstoffleistung erfolgen werde. Etwa 10 Mill. DM der Bausumme werde auf dem Anleihe wege beschafft werden. Darüber hinaus bestehe ein Investitionsprogramm bis 1958 von etwa 19 Mill. DM, nachdem seit der Währungsreform bis zum 30. September 1955 über 70 Mill. DM, davon fast 70 v. H. aus eigenen Mitteln, investiert worden waren. Man habe z.B. eine Untertageverbindung zwischen Hannover und Königsgrube geschaffen, um die neu zusammengefügten Schachtanlagen in eine möglichst weitgehende interne Verbundwirtschaft zusammenzuschließen. Für Königsgrube wurde an die DEA ein Kaufpreis von 21 Mill. DM bezahlt, wovon noch einige Raten offen sind. rlt.

Badische Anilin: 1955 mit 20 v. H. höherem Umsatz. Gelegentlich der Zulassung von nom. 169,9 Mill. DM neuen Aktien zum Börsenhandel teilte die Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG, Ludwigshafen/Rhein, mit, daß die ersten acht Monate des laufenden Geschäftsjahres eine Umsatzzunahme um rund 20 v. H. gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres gebracht haben. Der vorliegende Auftragsbestand läßt auch für die restlichen Monate des Jahres einen befriedigenden Umsatz erwarten. Angesichts dieser Umsatzentwicklung könne daher trotz rückläufiger Preistendenzen in einigen Sparten auch für 1955 mit einem angemessenen Ergebnis gerechnet werden.