E. R. S., New York‚ im November

Die Eindrücke und die Informationen, die die sowjetische Landwirtschaftsdelegation von ihrer Studienreise durch die USA mit nach Hause gebracht hat, und ebenso die Ergebnisse des Besuchs der amerikanischen Landwirte in der UdSSR haben in Moskau offenbar erhebliche Aufmerksamkeit gefunden. Andernfalls hätte man solche Studienreisen von Berufsdelegationen wohl nicht so bald fortgesetzt...

Auf Einladung des Landesverbandes der Wohnungsbauindustrie, der "National Association of Home Builders", bereist zur Zeit eine Gruppe von zehn sowjetischen Wohnungsbauexperten die USA. Im Laufe eines Monats sollen dreizehn amerikanische Städte besucht werden. Die Gruppe steht unter der Leitung von I. K. Kozyulya, dem Minister für das städtische und das ländliche Bauwesen. Zu ihren Mitgliedern gehörten u. a. der Präsident der sowjetischen Architekturakademie, A. V. Vlasow, und der Leiter der Moskauer Baubehörde, V. S. Timodeyer. Die Gruppe ist offensichtlich vor allem an der Konstruktion der hiesigen Etagenhäuser interessiert, wie das auch nicht anders zu erwarten war. in der UdSSR müssen nämlich gelegentlich acht bis zehn Familien eine Küche und ein Badezimmer teilen. Die vielen Unzuträglichkeiten, die sich daraus ständig ergeben, haben schon längst dazu geführt, daß Architekten und Ingenieure ihre besondere Aufgabe darin sehen, kleine Etagenwohnungen für je eine Familie zu niedrigen Preisen herzustellen. Die sowjetischen Gäste möchten vor allem Betonkonstruktionen sehen, und an denen, die man ihnen bereits gezeigt hat, interessierten sie die rationelleren Methoden der Amerikaner, die sich in einer sparsameren Verwendung von Beton dokumentieren, als dies in der Sowjetunion bisher üblich war.

Von der Gruppe sind verschiedentlich Aufträge auf Baumaterialien vergeben worden; dabei handelte es sich aber lediglich um die Bestellung von Proben. Es ist kaum anzunehmen, daß noch größere Bestellungen folgen werden. Auch nach dem Besuch der sowjetischen Landwirtschaftsdelegation, die besonderes Interesse für eine Reihe von amerikanischen landwirtschaftlichen Maschinen gezeigt hatte, hörte man nur, daß Probeaufträge gegeben worden waren, und, wie die "New York Times" damals berichtete, hat das bei manchen Fabrikant ten von landwirtschaftlichen Maschinen zu der Auffassung geführt, daß die UdSSR die Maschinen wohl als Modelle für ihre eigenen Fabrikate benutzen wollte. Von einer der hiesigenFabriken war zu hören, daß jeder Auftrag von sowjetischer Seite auf weniger als 100 Maschinen abgelehnt werden würde. Ob die Firma aber überhaupt Aufträge erhalten und ob sie auf der Lieferung eines Mindestquantums bestanden hat ist nicht zu sagen.

Nach unlängst bekamtgewordenen Zahlen sind die städtischen Wohnungsverhältnisse in der UdSSR heute ungünstiger als im vorsowjetischen Rußland. In einem gerade veröffentlichten Bericht des "American Commitee for Liberation from Bolshevism Inc." werden als Gründe hierfür die Konzentration auf Fabrikbauten zur Entwicklung der Industrie, der unzulängliche Bau von neuen Wohnungen und der Mangel an Baumaterialien angegeben.