Rohstofftendenz der Woche

Dem Wochenbericht Aber die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Grundtendenz an den Weltwarenmärkten war während der Berichtswoche durch einen ruhigen Verlauf gekennzeichnet. Als Ursache hierfür ist nicht nur die schleppende Nachfrage anzusehen, sondern auch die Tatsache, daß man das Ergebnis der Genfer Konferenz abwartet. Die Stimmung an den USA-Agrarmärkten wurde einerseits durch die Erwartung größerer Exportabschlüsse und andererseits durch stärkere Inanspruchnahme der Beleihungsmöglichkeiten beeinflußt. Auf den NE-Metallmärkten machte sich der ruhige winterliche Konjunkturverlauf bemerkbar. Auf den australischen Wollauktionen setzte sich im großen und ganzen bei lebhaftem Wettbewerb ein leicht festerer Preistrend durch, ohne daß sich der Londoner Wollterminmarkt dieser Tendenz anpaßte. Von den 30 notierten Welthandelsgütern wiesen 14 eine leicht steigende bzw. steigende und 9 eine leicht schwächere bis stark schwächere Tendenz auf. Die Preise von 7 der notierten Waren waren konstant.

Getreide: An der Chikagoer Getreidebörse wie auch in New York traten überwiegend Preisfestigungen ein. Nur die Roggennotierung in New York machte eine Ausnahme, und Gerste in Winnipeg tendierte gleichfalls nach unten.

Weizen: Die Besserung der Weizennotierung wurde durch geringere Anlieferungen in Chikago sowie durch die Erwartung eines besseren Auslandsabsatzes hervorgerufen. – Auf der gegenwärtig in Genf tagenden UN-Weizenkonferenz soll beschlossen worden sein, drei Ausschüsse einzusetzen, die das Problem der Weitweizenüberschüsse, Maßnahmen zur Stabilisierung des Weltweizenmarktes und die technischen Probleme, wie z. B. Höchst- und Mindestpreise, prüfen sollen.

Kupfer: Die Entspannung der Versorgungslage in den USA dürfte darin zum Ausdruck kommen, daß die Lohnschmelzen zu Preiskonzessionen bereit zu sein scheinen. Nach den letzten Veröffentlichungen der US Copper Association haben die Kupfervorräte der Verarbeiter Ende September im Vergleich zu Ende August um fast 31 000 sht auf insgesamt 334 996 sht zugenommen, so daß sich der Nachfragedruck für Vorratskäufe veringert hat. In London trat nach einem hohen Wochenbeginn ein Preisrückgang ein, der jedoch am letzten Tag der Berichtswoche erneut von einem Preisanstieg abgelöst wurde. Die anfängliche Preisfestigung wurde durch einen Streik im chilenischen Kupferbergbau hervorgerufen. Nachdem sich die Notierungen infolge der Beilegung des Streiks ermäßigt hatten, verursachten erneute Gerüchte über Arbeitsstreitigkeiten im chilenischen Kupferbergbau sowie die politische Entwicklung im Nahen Osten wiederum eine Preisfestigung, die sich jedoch nicht in voller Höhe halten konnte.

Zinn eröffnete die Woche in London mit einem neuen Höchststand seit April 1953. Später trat eine Abschwächung ein, die zum Teil als Reaktion auf den vorherigen Anstieg zu werten ist und zum Teil auf die Beilegung des Streiks im nigerianischen Zinnbergbau zurückgeführt werden kann. Gegen Wochenende wirkte sich die kritische politische Lage im Nahen Osten festigend aus. – Der Woltzinnverbrauch war im August 1955 um 7 v. H. größer als im Juli. Nach den neuesten Veröffentlichungen der internationalen Zinnstudiengruppe errechnet sich auf Basis der ersten acht Monate eine Bergwerkserzeugung 1955 von 166 500 lgt (1954: 169 000 Igt), eine Weltmetallerzeugung von 166 200 lgt (1954: 175 900 Igt) und ein Verbrauch von 146 500 lgt gegenüber 138 000 lgt 1954. Es wird als wahrscheinlich angenommen, daß das am 20. Okt. abgelaufene Zinnabkommen zwischen Indonesien und den USA verlängert wird. Die USA sollen beabsichtigen, zusätzlich 1200 Tonnen Zinn in Indonesien zu kaufen.

Wolle: Auf den Wollauktionen war ein lebhafter Wettbewerb bei z. T. festeren Notierungen zu verzeichnen. In Australien ging ein beträchtlicher Teil der Preisstützung von dem lebhaften Wettbewerb Japans aus. – Südafrika erwartet ein Schurergebnis von 281,3 Mill. lbs, das um 5,5 Mill. lbs größer ist als in der letzten Saison. Am Londoner Wollterminmarkt war die Preistendenz bei farblosem Geschäft überwiegend nach unten gerichtet. Auf Grund des Weltwollverbrauchs in den ersten sechs Monaten wird nach den neuesten Schätzungen der Weltjahresverbrauch auf 1,175 Mill. t (Basis reingewaschen) geschätzt. Das sind 32 000 t mehr als 1954. Die stärksten Zunaimen weisen die USA, die Bundesrepublik Deutschland und Japan auf.

Rohstofftendenz der Woche

Baumwolle: Am New Yorker Baumwollmarkt zogen die Notierungen auf gute Nachfrage des Handels und Deckungen der Baissiers in den vorderen Sichten an. In den späteren Terminen traten dagegen Verluste ein. Einen Einfluß übte auch der feste Trend am Baumwolltextilmarkt aus. Obwohl von privater Seite verschiedene Ernteschätzungen bekanntgegeben wurden, die z. T. beträchtlich über der letzten amtlichen Schätzung lagen, ging hiervon kein abschwächender Einfluß auf den Markt aus, da die Ansicht vertreten wurde, daß die stärkere Inanspruchnahme der Beleihungsmöglichkeiten einen Ausgleich für die höhere Ernte darstelle. Immerhin deuten die relativ hohen privaten Ernteschätzungen, die zwischen 13,873 Mill. Ballen und 15,213 Mill. Ballen schwanken, daraufhin, daß die in der nächsten Woche erwartete amtliche November-Schätzung gegenüber der Oktoberschätzung höher lauten dürfte.

Keutschuk : Wenn sich auch am letzten Tag der Berichtswoche insbesondere in New York eine Preisfestigung durchsetzte, neigte dennoch die Preistendenz ziemlich stark zur Schwäche, wozu Liquidationen auf den wichtigsten Märkten beitrugen. So erwartet man eine freizügigere indonesische Ausfuhrpolitik, außerdem wird eine stärkere Verwendung des Synthesekautschuks befürchtet. Die in private Hände übergegangenen Synthesekautschukwerke in den USA steigern laufend ihre Erzeugung. In den USA ist ein Synthesekautschuk entwickelt worden, der in seinem molekularen Aufbau dem Naturkautschuk entsprechen soll und dadurch in der Lage ist, auf vielen Anwendungsgebieten Naturkautschuk vollwertig zu ersetzen.

Zucker: Bei sehr ruhiger Umsatztätigkeit traten beim Weltkontrakt Nr. 4 leichte Ermäßigungen ein, hinzu kam, daß sich die Loconotierung gegen Wochenschluß auf 3,23 z/lb verringerte. Die US-Regierung beabsichtigt, 100 000 t Zucker aus der Inlanderzeugung zu kaufen, um diesen Zucker zur Bedarfsdeckung im Rahmen der Auslandshilfsprogramme zu verwerten. Die Vertreter der US-amerikanischen Zuckerindustrie haben vorgeschlagen, die US-Inlandsverbrauchsquote für 1956 gegenüber 1955 um 04 Mill. t auf insgesamt 8,875 Mill. t zu erhöhen, mit der Begründung, daß die gegenwärtigen Zuckerpreise in den USA für den Verbraucher zu hoch seien.

Kaffee: Während der Berichtswoche war die Allgeme ntendenz am New Yorker Kaffeemarkt uneinheitlich, denn die späteren Sichten wurden teilweise nicht von der rückläufigen Preisentwicklung betroffen. Eine Abgabeneigung wurde am New Yorker Markt dadurch ausgelöst, daß der President des brasilianischen Kaffeeinstituts eine frühere Meldung dementierte, nach der die Wiederaufnahme der Käufe durch das Institut angekündigt worden war. Die ungeklärte Lage hinsichtlich der brasilianischen Devisenreform beeinflußt nach wie vor den Kaffeemarkt. Während Brasilkaffee zur Schwäche neigte, hatten Kolumbia-Kaffees eine anziehende Tendenz, so daß sich die Preisspanne zwischen diesen beiden Provenienzen erneut erweiterte.