Die 62. Deutsche Seifenmesse in Berlin, die einzige europäische Fachmesse vier Tage lang in den Ausstellungshallen am Funkturm stattfand, war nicht nur ein Spiegelbild des wachsenden Verbraucherinteresses an den Erzeugnissen der einschlägigen Industrie, vor allem an Parfüms und Kosmetika, sondern auch der in- und ausländischen Hersteller. Die Zahl von rund 200 Ausstellern vermittelt nur ein unvollkommenes Bild, da sich darunter auch Großhändler befanden, die jeweils mehrere Produzenten vertreten. Fast ein Drittel aller Stände war vom Ausland belegt, an der Spitze von französischen, amerikanischen und englischen Firmen, gefolgt von Herstellern aus Italien, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Schweden und Spanien. Der Rest verteilte sich je zur Hälfte auf Hersteller aus der Bundesrepublik und Westberlin.

Das Schwergewicht des Angebotes lag nicht so sehr auf einer Fülle von Neuheiten – obwohl es daran weder bei den Waschmitteln noch bei den Körperpflegemitteln fehlte –, als vielmehr auf der Betonung der Qualität. Dieser Tatsache kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die einschlägige Industrie unter stärkstem Wettbewerbsdruck nach vorübergehender Teuerung unmittelbar nach der Währungsreform zu den Vorkriegspreisen zurückgekehrt ist. Unter diesen Umständen erscheint die Produktionssteigerung beachtlich: während die westdeutsche und Westberliner Waschmittelindustrie im Vorjahr Waren im Werte von 665 Mill. DM erzeugte, läßt der Produktionswert von 346 Mill. DM in der ersten Hälfte dieses Jahres wesentlich höhere Umsätze erwarten. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei Parfüms und Kosmetika, von denen 1954 für rund 309 Mill. DM und in der ersten Hälfte 1955 für fast 164 Mill. DM erzeugt wurden. Demgegenüber sind der Export mit etwa 10 Mill. DM und der Import mit etwa 8 Mill. DM verhältnismäßig gering, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die Einfuhr von Fertigerzeugnissen immer mehr hinter der von Extrakten zur Weiterverarbeitung zurücktritt. g.

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NSU-Produktion gleichbleibend. Trotz des Herbstes und des nahenden Winters blieb die NSU-Produktion im Oktober auf der gewohnten Höhe. Es wurden insgesamt 27 270 Maschinen hergestellt. Den größten Anteil hat wieder die Quickly mit 21 150 Fahrzeugen; unter den 3770 Motorrädern waren diesmal 1180 "Superföxe"; die Lambretta ist mit 2350 Fahrzeugen an der Produktion beteiligt. Man hofft bei NSU, die für verschiedene Fahrzeug-Typen noch bestehenden Lieferfristen verkürzen zu können.

Der HV der Tretorn Gummi- u. Asbestwerke AG, Hamburg, wurde die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung für 1954 vorgelegt. Von dem 4,8 Mill. DM betragenden AK, das zu 95,6 v. H. der Helsingborgs Gummi-Fabriks A/B gehört, war mit 4,7 Mill. DM fast das gesamte Kapital vertreten. Der Reingewinn des Geschäftsjahres 1954 belief sich auf 27 703 DM, zu dem der Gewinnvortrag aus 1953 in Höhe von 132 579 DM kommt. Die HV beschloß einstimmig, aus dieser Summe 100 000 DM für Sonderabschreibungen des Anlagevermögens zur Verfügung zu stellen und den verbleibenden Rest vorzutragen. Die Neuwahl des AR ergab die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder Dunker, Hallström und Dir. Bechtolf. Für las verstorbene AR-Mitglied Peters wurde Bürgermeister a. D. Petersen in den AR des Unternehmens gewählt. Dir. Erich Bechtolf, der Vorsitzende des AR, teilte gelegentlich der HV mit, daß sich das neue Geschäftsjahr gut entwickelt habe und das Unternehmen daran gegangen ist, den Produktionsapparat beträchtlich zu verbessern.

Starke Nachfrage nach dem Lloyd LP 600. Die Lloyd-Motorenwerke in Bremen haben zur Zeit einen Auftragseinging zu verzeichnen, der trotz der ausklingenden Saiscn höher liegt als im Frühjahr dieses Jahres; die wöchentlich von den Händlern einkommenden Aufträge übersteigen selbst die Auftragsspitze der Monate März und April. Mit großer Sorge betrachtet man in Bremen die Tatsache, daß bereits jetzt Kraftwagen für das Frühjahr bestellt werden, da man befürchtet, daß es in den kritischen Monaten der Frühjahrssaison zu einem Lieferengpiß kommen wird. Obwohl die Kurve der Auftragseingänge für den LP 400 noch immer ansteigt, liegen die Aufträge für den LP 600, der während der Automobilausstellung zum ersten Male der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, bereits um rund 20 v. H. höher als beim LP 400;

Zweites Röhrenwerk von Phoenix-Rheinrohr in Kanada gegründet. Die Verhandlungen der Phoenix-Rheinrohr AG, Düsseldorf, mit westkanadischen Erdölinteressen wegen der Errichtung eines Röhrenwerkes im westlichen Kanada, in Edmonton (Hauptstadt der Provinz Alberta), sind so weit gediehen, daß nunmehr die "Alberta Phoenix Tube and Pipe Ltd." gegründet wurde. Die Kapazität des zweiten Röhrenwerkes soll zwischen 100 000 und 150 000 t liegen.

Die deutsche Feinstrumpfwirkerei Arwa wird in Kürze in den USA die Produktion hochwertiger modischer Damenstrümpfe aufnehmen. Zu diesem Zweck wurden bereits Maschinen in Berlin N. J. aufgestellt. Die Produktion wird zunächst nahtlose Strümpfe betreffen. Das rührige Unternehmen wird aus Deutschland für den Verkauf in den USA zwei besonders hochwertige Qualitäten liefern: einen Cottonstrumpf von 90 gg 7,5 denier und einen Cottonstrumpf von 75 gg 10 denier stretch. Diese Strümpfe werden aus deutschem Perlongarn gewirkt Mit diesem Produktionsprogramm kommt zum erstenmal ein Strumpf von 90 gg 7,5 denier auf den amerikanischen Markt. Das Werk verfügt bisher über vier Firmen in Europa und eine in Südafrika. Die Jahresproduktion 1954 betrug 1 Mill. Dutzend Paar Feinstrümpfe.