Aus dem in diesen Tagen vorgelegten Statistischen Jahrbuch des Bundesgebietes für 1955 geht hervor, daß Ende 1954 beim Bund, den Ländern und den Gemeinden 615 376 Beamte beschäftigt wurden. Ende 1953 waren es 570 626, und Ende 1952 wurden 510 910 Beamte gezählt. Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl also um 20,4 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat die Anzahl der in der bundesdeutschen Wirtschaft insgesamt beschäftigten Personen um 1,4 Millionen oder um neun Prozent zugenommen. Die "Konjunktur" ist also bei den Behörden am stärksten "überhitzt". Nun ist daran aber nicht, wie man meinen könnte, der Bund oder Bonn schuld, vielmehr hat die Zahl der Beamten in den Ländern, den Hansestädten und Westberlin von Ende 1953 bis Ende 1954 um rund 35 000 zugenommen, die der Bundesbeamten hingegen nur um rund 7000. Dabei ist die Zunahme bei den Lehrern und Polizisten verhältnismäßig gering, so daß die Aufblähung vorwiegend in dem eigentlichen Verwaltungsapparat stattgefunden hat.

Die Gemeinden beschuldigen die Länder, diese Entwicklung durch die Übertragung neuer Aufgaben an die Kommunen heraufbeschworen zu haben. Die Länder beschuldigen aus dem gleichen Grunde den Bund. Der Bund ist der Meinung, daß Länder und Gemeinden einfach zuviel ausgeben, daß man daher ihren Anteil an der Einkommens- und Körperschaftssteuer senken dürfe. Beim Bunde sei das Geld besser angelegt, denn sein, Etat habe den geringsten Anteil unproduktiver Personalausgaben.

Wer nun wirklich die Beamtenkonjunktur, den Bürokraten-Boom, angeheizt hat, bleibt angesichts dieser gegenseitigen Beschuldigungen offen.

Was aber wird geschehen, wenn bei allgemeiner Konjunktur-"Abkühlung" die Steuereinnahmen rückläufig werden? Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder Gehaltskürzungen nach dem Muster der Brüningschen Notverordnungen, das wäre die schlechteste Lösung – nach Auffassung der Beamtenverbände sogar eine untragbare Lösung – oder aber: beschleunigter Abbau der Länderbürokratien, also: Schluß mit dem Föderalismus. Dd