Unter diesem Titel ist vor wenigen Wochen ein umfangreiches Buch erschienen, das bereits auf der Frankfurter Buchmesse einen ungewöhnlichen Erfolg erzielte, bis heute ein Dutzend Übersetzungsrechte mit dem Ausland abschließen konnte und somit offenbar gute Aussichten hat, ein Bestseller zu werden. Um so leichter, da sich seit einigen Jahren das Interesse breiterer Leserschichten populärwissenschaftlichen Werken auf dem Gebiet der Vor- und Frühgeschichte Europas sowie des Orients und Ägyptens bis zu den Stätten der Induskultur zugewandt hat. Diesmal handelt es sich um die Arbeit von

Werner Keller: "... Und die Bibel hat doch recht." Forscher beweisen die historische Wahrheit. Econ-Verlag, Düsseldorf, 1955, 400 Seiten mit 40 Kunstdrucktafeln und zahlreichen Abbildungen. Preis 19,80 DM.

Kellers Arbeit beschäftigt sich zum großen Teil mit der Beantwortung von Fragen und der Fixierung von Tatsachen, bei denen die Ausgrabungsergebnisse in Palästina und Mesopotamien die Worte der Bibel bestätigten. Und zwar sind es Fragen und Tatbestände historischer, geographischer und religionsgeschichtlicher Art, während aus guten, verständlichen Gründen jede Bibelkritik und fast alles dem Glauben Zugehörige außer acht bleiben.

Der Arbeitsplan des Werkes ist klar angelegt: Der Autor verfolgt die Geschichte Israels und des Lebens Jesu an Hand der einzelnen Bücher des Alten und Neuen Testaments von der Patriarchenzeit bis zum Tode Christi. Darüber hinaus berichtet er noch über einige Geschehnisse aus der Apostelgeschichte und endet mit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70. Ein ungeheures Material, eine überreiche Fülle von Einzelheiten wird hier mit bewundernswertem Fleiß ausgebreitet und, ohne mehr als bescheidene Kenntnisse beim Leser vorauszusetzen, sehr lebendig vorgetragen. Das Literaturverzeichnis, rund 150 Titel umfassend, zeigt nicht nur die Belesenheit des Verfassers, sondern auch (was sich bei der Lektüre dam als Eindruck verstärkt), daß Keller sich in erheblichem Maße auf die amerikanischen und englischen Fundpublikationen stützt, wohingegen der deutsche Forschungsanteil, der schon ans finanziellen Gründen kleiner sein mußte, gelegentlich über Gebühr zu kurz kommt. So werden zum Beispiel bei der Besprechung der hochinteressanten und aufschlußreichen altsinaitischen Inschriften die Arbeiten Hubert Grimmes überhaupt nicht erwähnt. Bei der Patriarchenzeit steht Keller noch auf dem – durch Bibelstellen selbst widerlegten – älteren Standpunkt von den "armen Hirten und Nomaden", der durch F. Hellings "Frühgeschichte des jüdischen Volkes" (bei Klostermann 1947) überzeugend korrigiert wurde. Die Gegenüberstellung des Gilgamesch-Epos, genauer gesagt seiner 11. Tafel, mit dem Sintflutbericht des Pentateuch schließt Keller mit dem Hinweis auf einen "bedeutsamen und sehr wesentlichen Unterschied": der Sintflutbericht sei monotheistisch, während das Gilgamesch-Epos mit einer Vielzahl von Göttern aufwarte. Aber ist nicht immerhin zu bedenken, daß letzteres bis auf die sumerische Zeit im 3. Jahrtausend zurückgeht, während die Form des Pentateuch-Berichtes erst in nachmosaischer Zeit, vermutlich um 1200 v. Ch., feststand?

Es ist begreiflich, daß die Ausführungen über die Stätten und Ausgrabungen der alttestamentarischen Zeit einen weit größeren Raum einnehmen, als die relativ wenigen Jahre, die das Neue Testament umschließen. Auch spielt sich fast alles hier auf einem engeren Raum ab. In diesem zweiten Teil des Kellerschen Buches ist wiederum außerordentlich viel Interessantes und Neues zusammengetragen, unterstützt – wie im noch reicheren ersten Teil – durch vorzügliche, sehr instruktive Karten, Pläne und eine Vielzahl ausgezeichneter Photos. Nur an einer Stelle wäre dem Verfasser zu wünschen, daß er in der sicher zu erwartenden Neuauflage seine Worte etwas anders wählte. Auch wer durchaus nicht mit H. S. Chamberlain und seinen "Grundlagen" übereinstimmt, kann doch in einem ernsthaften Buch Kellers Sprache "Wer das Pech hatte, Houston Stewart Chamberlain zu lesen ..." ein bißchen deplaciert finden. Es handelt sich an dieser Stelle um den eklektischen Philosophen Celsus oder Kelsos, dessen scharf antichristliche Schrift "Alethes Logos" um das Jahr 178 n. Ch. herauskam, die nicht mehr erhalten ist und vom Kirchenvater Origines im Jahre 248 in seinen acht Büchern "Contra Celsum" unter Zitierung der Hauptsätze des Gegners widerlegt wurde. Chamberlain hatte, um Jesus zum Arier machen zu können, den Abschnitt aus Celsus übernommen, wonach Jesus der illegitime Sohn der Maria und eines römischen Soldaten gewesen sei. Die Klatschgeschichte findet sich auch anderwärts, denn die antike Propagandaliteratur kennt viele gehässige Schmähschriften, aber diese ist im Grunde doch nicht wichtig genug, um im wichtigen Kellerschen Buch einen Platz zu finden. – Trotz dieser wenigen und für das Buch kaum bedeutsamen Einwendungen darf und muß man dem Verfasser bezeugen, daß hier eine Zusammenstellung und eine Übersicht gegeben wird, die wir bisher nicht in der Literatur besaßen, die nach Art und Darstellung für einige Zeit unübertroffen bleiben dürfte und durch die jeder Leser hundertfältige Anregung bekommen wird.

E. A. Greeven