Lange Zeit hat Pankow behauptet, der Fluchtbewegung aus der Sowjetzone entspräche eine ständige Einwanderung in das Paradies der Zukunft, in "unseren jungen, blühenden, stetig wachsenden Staat", wie Ulbricht die "DDR" kürzlich nannte. Inzwischen hat die SED diese Fiktion preisgegeben. Sie sieht sich jetzt genötigt, scharfe Maßnahmen gegen die "Republikflucht" zu ergreifen, denn im Monat Oktober haben annähernd 33 000 Menschen die DDR verlassen. Die Hälfte waren Jugendliche unter 25 Jahren. Es wird schwierig sein, "den Staat, dem die Zukunft gehört", ohne Jugend und ohne Facharbeiter aufzubauen. Im volkseigenen Hüttenkombinat Mansfeld gibt es nur noch zwei akademisch gebildete Ingenieure – im gleichen Betrieb waren früher über dreißig tätig. Wie schwierig die Lage ist, geht daraus hervor, daß in Sachsen in den letzten Monaten Abiturienten zum Studium zugelassen wurden, denen bisher wegen politischer Unzuverläßlichkeit oder wegen ihrer Zugehörigkeit zur christlichen Jungen Gemeinde der Zugang zur Universität versagt war. Dff.