Frankfurt soll jetzt auch Auktionsplatz für Persianerteile werden, nachdem es den Leipziger Brühl abgelöst hat und schon seit einer Reihe von Jahren zum Zentrum des Rauchwarenhandels in der Bundesrepublik geworden ist. Das Projekt besteht bereits seit drei Jahren und kann nun durch konkrete Abmachungen mit einer Lieferantengruppe in Windhuk, der Hauptstadt des ehemaligen Deutsch – Südwestafrika, verwirklicht werden.

Westdeutschland ist in den letzten Jahren reben den USA der größte Verbraucher von Persianerfellen (auch Karakulfelle genannt) geworden. Von schätzungsweise 7,3 Mill. Karakulfellen der Weltproduktion 1934 gingen etwa zwei Mill. Stück rohe Pelzfelle über die Londoner Auktionen in die Bundesrepublik. Allein von Südwestafrika als dem bedeutendsten Lieferanten von Persianerfellen wurden über den Londoner Markt rund 1 Mill. Felle im Werte von 30 Mill. DM bezogen.

Der Gedanke südwestafrikanischer Züchter, ihre Felle direkt nach Deutschland zu verkaufen, lag daher sehr nahe. Sie gründeten zu diesem Zweck in Windhuk die Persianer - Aufkauf- Gesellschaft AFRA (Afrika-Frankfurt-Rauchwaren-Auktion) unter Leitung dort ansässiger deutscher Kaufleute, die bis Anfang des nächsten Jahres rund 100 000 Persianerfelle nach Frankfurt liefern will. Damit beabsichtigt die Westdeutsche Rauchwaren-Gesellschaft (Werag) im Februar 1956 in Frankfurt die erste deutsche Auktion für Persianerfelle nach dem Kriege zu starten, der Im Laufe des Jahres drei weitere folgen sollen. Insgesamt ist die Versteigerung von 400 000 Karakulfellen vorgesehen. Die Auktionsbedingungen sollen den Londoner Konditionen angepaßt werden. Eine Finanzierungsgesellschaft in Hamburg sichert den Erzeugern in Südwestafrika bestimmte Preisgarantien zu, übernimmt außerdem das Versicherungsrisiko und sorgt für die auf diesem Gebiet übliche Kreditfinanzierung der Käufer.

Wenn auch die Basis für einen funktionsfähigen Markt in Frankfurt gegeben scheint, vor allem in technischer und organisatorischer Hinsicht, so muß das Unternehmen doch als großes Wagnis bezeichnet werden. New York und London sind seit Jahrzehnten die traditionellen internationalen Fellmärkte für Persianer. London hat sich nicht nur für die Käufer, sondern auch für die Lieferanten, die mit den Versteigerungshäusern langfristige Abnahmeverträge haben, zu einem reibungslosen Auktionsplatz entwickelt, Ferner hat Frankfurt nur Karakulfelle anzubieten, während in London daneben noch andere – nicht minder bedeutende – Pelzarten gesteigert werden. Andererseits sind die Aussichten für das Gelingen der Auktionen in Frankfurt deswegen nicht schlecht, weil der direkte Weg von Südwestafrika nach der Mainmetropole vielen Interessenten beachtliche Transportkosten erspart. ck

UFA-Verkaufsverhandlungen vor dem Abschluß. Die Gründung der UFA-Theater AG, Düsseldorf, die fünf eigene Theater, 27 Pacht- und neun Beteiligungstheater umfassen wird, ist in etwa drei Wochen zu erwarten, nachdem die Liquidatoren von der HV ermächtigt wurden, die Ausgründung bzw. Neugründung der UFA-Nachfolgegesellschaften zu vollziehen. Die Neugründung der mit 9 Mill. DM AK ausgestatteten Theatergruppe der früheren UFA wird als Interimslösung ein kleiner Aufsichtsrat für die späteren Eigentümer erledigen. Es wird angenommen, daß die Theatergesellschaft einen Jahresumsatz von etwa 19 Mill. DM und einen Reingewinn von etwa 800 000 DM bringt. Die Verhandlungen der beiden befreundeten Bankenkonsortien, die die UFA-Theater AG, Düsseldorf, und die UFA-Anlagen AG, Berlin, in einer gewissen vertikalen Verflechtung von Verleih, Theatern und Produktion reprivatisieren wollen, gehen zügig weiter. Da die Berliner Anlagen noch mit Verlust arbeiten, wollen die interessierten Bankkreise möglichst bald zu einem Abschluß kommen. Die Kapazität der Berliner Anlagen wird auf 20 bis 22 Filme im Jahr geschätzt.