Drei Tage in einer kleinen amerikanischen Stadt

Von Robert Strobel

Emporia, Kansas, im November

Sie dürfen Amerika nicht nur nach seinen großen Städten beurteilen. Fahren so sagte man uns, "auch in eine kleine Stadt und betrachten Sie die Menschen dort."

So kamen wir nach Emporia, einem Städtchen von etwa 15 000 Einwohnern im mittleren Westen. Es liegt in dem besten Weizengebiet der Vereinigten Staaten, und als seine Gründer im Jahre 1857 nach einem passenden Namen suchten, erinnerten sie sich des fruchtbarsten Gebietes im Karthager-Reich. Sie legten den Ort zwischen zwei Flüssen auf einer Anhöhe an. So ist er vor Überschwemmungen sicher. Das Wasser der beiden Flüsse bewahrt überdies in der heißen Jahreszeit den Boden vor dem Austrocknen.

Ein Auto für je zwei Menschen

Ortschaften wie Emporia gibt es einige tausend in den Vereinigten Staaten. Sie ähneln einander, wie man uns sagt, alle sehr. Sie sind nicht, wie die Städte bei uns, rings um einen Marktplatz als ihr Zentrum gewachsen. Sie wurden alle mehr oder weniger nach dem Prinzip von Längs- und Querstraßen erbaut, die sich ungefähr in einem rechten Winkel schneiden. Und da Raum im Überfluß vorhanden war, legte man die Straßen von vornherein so breit an, als hätte man bereits damals den Autoverkehr von heute vor Augen gehabt. In Emporia mußten nur einige wenige Gassen in den letzten Jahren verbreitert werden. Die anderen Straßen reichten alle für den gewaltigen Autoverkehr aus, der auch diese kleine Stadt durchflutet. Denn ihre 15 000 Einwohner besitzen 7500 Kraftwagen. Sehr viele Familien haben mehrere Wagen. Kinder dürfen schon mit vierzehn Jahren den Führerschein erwerben, doch dürfen sie den Wagen nur zur Fahrt in die Schule benutzen oder um Einkäufe für ihre Eltern zu besorgen. Erst die Sechzehnjährigen sind beim Führen eines Autos keiner Beschränkung mehr unterworfen. Vor den Schulen steht dichtgedrängt Wagen an Wagen, einer schöner und größer als der andere. Mit ihnen also kommen Buben und Mädel zur Schule, mit ihnen brausen sie wieder ab, wenn der Unterricht zu Ende ist.