e. k., Bonn

Die Bonner Polizei war in den vergangenen Jahren ein einziger Saustall." Diese und ähnliche drastische Formulierungen fand der Vorsitzende der Strafkammer des Bonner Landgerichts, Landgerichtsdirektor Quirini, vor der gegen den Polizeimeister Hasenecker wegen Begünstigung im Amt, Urkundenfälschung und passiver Bestechung verhandelt wurde. "Wir müssen diesen Fall milde behandeln, weil es nur einer unter vielen ist, in die weit höherstehende Beamte verwickelt sind", führte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer aus. So kam es, daß Hasenecker nur zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde.

In einer neuen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bonn werden nunmehr der ehemalige Chef der Bonner Polizei, Oberrat Siegfried Timper, und der frühere Leiter des Unfallkommandos der Bundeshauptstadt, Oberkommissar Hugo Feiski, beschuldigt, wenigstens in 1600 Fällen Unfallakten unbearbeitet beseitigt zu haben. Nach den Feststellungen des Landgerichtsdirektors Quirini im Prozeß Hasenecker waren die kleinen Beamten bei dem Verschwinden von Akten nur Statisten. Sie befolgten angeblich nur die Weisung ihrer Vorgesetzten, wonach "die Unfallzahl in Bonn heruntergedrückt werden muß".

So kam es, daß die Polizei in Bonn wenigstens ein Drittel aller Unfälle vertuschte, wobei Beamte immer wieder bestochen wurden. Die stolze Statistik, nach der die Bundeshauptstadt Bonn die unfallärmste Stadt in Nordrhein-Westfalen sein sollte, war also eine Fälschung, für die sich die Schuldigen demnächst vor Gericht zu verantworten haben werden.