Dd, Baumholder

Der Stadtrat von Baumholder (Bezirk Koblenz) beschloß vor einigen Tagen einstimmig, die Übernahme der Fahrtkosten für die vier Schulkinder Inge Hoffmann, Peter Keller, Karlheinz Weingardt und Gerhard Wommer abzulehnen. Und dies hat seine Geschichte.

Die drei Jungen und das Mädchen wohnen auf dem Breitsesterhof, der auf dem halben Weg zwischen Baumholder und der Saargrenzgemeinde Berschweiler liegt, von beiden Orten etwa sechs Kilometer entfernt. Der 150 Einwohner zählende Ort verfügt über ein hübsches Schulgebäude, das von der Stadt Baumholder unterhalten wird. Aber ein Lehrer für vier Schüler – dies schien der Bezirksregierung in Koblenz nicht angebracht. Die Geburtenstatistik beweist allerdings, daß ab Ostern 1956 wieder fünf, 1957 sechs, 1958 sieben, 1959 zwölf und 1960 siebzehn Schüler auf dem Breitsesterhof zu unterrichten wären.

Die sinkende Geburtenzahl in dem ersten Nachkriegsjahr bedroht also den Bestand der Schule: aber der zu erwartende Wiederanstieg der Geburten – vielleicht auch über 1960 hinaus – gibt der Baumholderer Stadtverwaltung den Mut, sich der Anordnung der Bezirksregierung zu widersetzen. Die Schule in Breitsesterhof soll erhalten bleiben, die vier Schüler von heute sollen nicht nach Baumholder fahren, um hier unterrichtet zu werden. Dies ist’s, was der Stadtrat durch seinen Antifahrgeldbeschluß erzwingen will.