Im Bundesgebiet könnten jährlich 60 000 Wohnungen zusätzlich fertiggestellt werden, wenn es gelänge, die Beschäftigung im Baugewerbe künftig auch in den Wintermonaten etwa auf. dem bisherigen Jahresdurchschnitt zu halten. Technisch ist das Problem, auch bei Temperaturen von weniger als minus fünf Grad zu bauen, gelöst, wenn sich auch Frostschutzmittel für Beton nicht wie erwartet bewährt haben. Aber Gebäude, die im Winter gebaut werden, sind nun einmal teurer als Sommerbauten. Vorläufig hat die Bauwirtschaft der Bundesrepublik jedoch erst wenig Erfahrungen, wie man auf einer Vortragsveranstaltung des Rationalisierungskuratoriums der deutschen Wirtschaft in Hamburg hören konnte, um zuverlässige Kalkulationen über den Umfang der Kostensteigerung aufstellen zu können. Letzten Endes hängt sie wesentlich von der Tüchtigkeit des einzelnen Bauunternehmers ab. Aus Schweden und Dänemark, die nach Kriegsende den Winterbau sehr forciert haben, wird von durchschnittlichen Mehrkosten von 2 v.H. der Bausumme berichtet. Die zusätzlichen Kosten für den Winterbau der Hamburger Staatsoper wurden ursprünglich mit 200 000 DM veranschlagt. Man kam aber mit 65 000 DM aus, das sind 1,2 v. H. der Bausumme.

In diesem Winter wird eine begrenzte Anzahl von Versuchsbauten mit einem zusätzlichen Zuschuß (3000 DM) vom Bundeswohnungsbauministerium errichtet werden. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die gesamte Summe in Anspruch genommen werden wird, da von dem Zuschuß 2500 DM als Darlehen gelten und zurückgezahlt werden müssen. Schließlich werden in 30 Jahren die Mieter dieser Wohnungen nur schwer einsehen können, daß sie allmonatlich zwei DM mehr aufbringen müssen als ihre Nachbarn des gleichen Typs, nur weil diese Häuser im Winter gebaut wurden. Vernünftigerweise wird die Bauwirtschaft die effektiven Mehrkosten einzelner Objekte auf ein größeres Bauvolumen und eine längere Bauperiode verteilen müssen. Man erwartet, daß Dispositionsvorteile und die Kontinuität der Beschäftigung das Gesamtpreisniveau drückt und so ein Teil der Kostensteigerung von der Bauwirtschaft selbst aufgefangen werden kann.

Folgende Vorschläge wurden zum Thema Finanzierung gemacht: Die Bundesanstalt für Arbeitslosenversicherung möge die Ersparnis an Unterstützungsgeldern als Prämien für Bauunternehmer ausschütten, die keine Arbeiter entlassen. Die Baustoffindustrie möge in den Wintermonaten Rabatte geben, da für sie eine kontinuierliche Beschäftigung Kostenersparnisse bringen würde. H. H.