Mit wesentlichen Preissenkungen sei in den nächsten zwei Jahren auf dem Weltkaffeemarkt nicht zu rechnen. Diese Auffassung vertrat der Hamburger Kaffeekaufmann Werner Limberg, Mitinhaber der Firma "Übersee-Kaffee", dieser Tage in einem "Tischgespräch über die gegenwärtige Kaffee-Situation", das in Anwesenheit von namhaften Vertretern der Hamburger Wirtschaft und des konsularischen Korps im Übersee-Klub stattfand.

Limberg stützt seine Prognose auf die Beobachtungen, die er während einer Informationsreise durch die brasilianische Kaffeeprovinz Paraná machen konnte. Das Paranà-Gebiet wurde Anfang Juli von einer verheerenden Frostweile heimgesucht. Limberg konnte sich durch Augenschein überzeugen, daß die diesjährigen Frostschäden weitaus größer sind als die des Jahres 1953. Nach vorsichtigen Schätzungen wird bei der nächsten Ernte mit einem Ausfall von 90 v. H. der Kaffee-Ernte im Paranà-Gebiet zu rechnen sein. Die diesjährige Ernte betrug rund 5 Mill. Sack. Im kommenden Jahr sind höchstens 500 000 Sack aus dem Paranä-Gebiet zu erwarten. Von den Frostschäden wurde auch die Kaffee-Provinz Sao Paulo befallen, und zwar zu etwa 10 v. H. Sao Paulo hat normalerweise eine Ernte von 7,5 Mill. Sack, so daß im kommenden Jahr mit einem Ausfall von 750 000 Sack gerechnet werden muß. Für die gesamtbrasilianische Ernte bedeuten die Ausfälle in Paranä und Sao Paulo einen Verlust von 25 v.H.

Legt man zugrunde, daß aus der letzten Ernte in Brasilien 3 Mill. Sack übriggeblieben sind und die jetzige gute Ernte einen Überschuß von rd. 2 Mill. Sack gebracht hat, so bedeutet dies, daß der Ernteausfall im Paranà-Gebiet, der sich im nächsten Jahr auswirken wird, durch den Gesamtüberschuß von 5 Mill. Sack ausgeglichen sein dürfte. Brasilien werde daher keine Veranlassung sehen, meinte Werner Limberg, den Kaffeepreis zu senken, was bei einer normalen Ernte unter dem Druck enormer Kaffeevorräte sonst unvermeidlich gewesen wäre. Herr Seitmann von der Firma Bernhard Rothfos erklärte in dem "Tischgespräch", daß der heutige übersteigerte Weltkaffeepreis im Widerspruch stehe zu den Weltkaffeevorräten. Die Preissteigerung bei Kaffee, gehe weit über das Ausmaß der Erhöhung bei den übrigen Welthandelsgütern hinaus, deren Index sich bei 170 (1938 = 100) bewegt. Nach seiner Ansicht dürfte ein Kaffeepreis zwischen 40 und 50 cts sowohl den Interessen der Produzenten als auch den der Verbraucher entsprechen. Die Erschütterung des Vertrauens der Importeure, die durch die Kaffeepolitik der Süd – und mittelamerikanischen Länder in den letzten Jahren ausgelöst wurde, hat dazu geführt, daß der Kaffeehandel nur noch sehr geringe Vorräte hält und gewissermaßen "von der Hand in den Mund" lebt.

Generaldir. Werner Traber von der Hamburg-Amerika Linie wies darauf hin, daß bei der bevorstehenden vollen Liberalisierung der Kaffee-Einfuhren die Importe in stärkerem Umfange über Amsterdam und Rotterdam gehen würden. Um dieser für die deutsche Schiffahrt unerfreulichen Entwicklung zu begegnen, müßten auch, die deutschen Reedereien die Möglichkeit erhalten, Amsterdam und Rotterdam anzulaufen. Bislang ist das leider nicht möglich. K.

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Süddeutsche Zucker Aktiengesellschaft, Mannheim. Die Verwaltung der Südzucker wird ihrer für den Dezember vorgesehenen HV eine Kapitalerhöhung um 6 Mill. DM – von 60 auf 66 Mill. DM – unter Ausschluß des Bezugsrechtes der Aktionäre vorschlagen. Das bedeutet für die Altaktionäre ein Opfer, das aber nach Auffassung des Vorstandes und des AR im Interesse des Werkes und damit der Altaktionäre selbst liegt. Die bayerischen Zuckerrübenbauer verlangen nämlich den Bau einer dritten Zuckerfabrik in Bayern. Sie haben dafür die Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung gefunden. Es wird in jedem Fall in Bayern, also im Interessengebiet der Südzucker, eine Zuckerfabrik gebaut werden, gegebenenfalls von den Zuckerrübenanbaues selbst. Das letztere müßte naturgemäß zu schweren Marktkämpfen führen, an denen niemand etwas gelegen sein kann. Im Wege des Kompromisses einigte man sich deshalb darauf, daß Südzucker die Fabrik im westlichen Teil Bayerns, wo der Zuckerrübenbau noch erheblich ausgedehnt werden kann, errichtet.

Der AR der Gladbacher Feuerversicherungs AG, M.-Gladbach, billigte die DM-EB, wonach das Grundkapital von 2,492 Mill. RM auf 1,068 Mill. DM umgestellt werden soll. Die bisherigen Aktien im Nennbetrag von 1200 RM und einer Einzahlung von 700 RM werden auf einen Nennbetrag von 400 DM mit einer Einzahlung von 300 DM lauten. Unter dem Vorbehalt der Feststellung der DM-EB durch die HV genehmigte der AR die Jahresabschlüsse bis 1953 einsch., wobei für 1953 eine Dividende von 8 v.H. vorgeschlagen werden soll. Bei der Gladbacher Rückversicherungs AG soll das voll eingezahlte Aktienkapital von 0,8 Mill. RM auf 0,24 Mill. DM umgestellt werden. Für 1952/53 ist eine Dividende von 6 v. H. vorgesehen. In der HV der Gesellschaft am 25. November soll die Erhöhung des AK der Gladbacher Rück auf 0,5 Mill. DM durch Ausgabe voll eingezahlter Aktien vorgeschlagen werden. Die Mehrheit des AK der Gladbacher Rück liegt bei der Gladbacher Feuerversicherungs AG.