Die Telefunken, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H., Berlin, deren Stammkapital von 25 Mill. DM sich voll im AEG-Besitz befindet, hat in den Nachkriegsjahren trotz ihres Weltrufes nur wenig von sich reden gemacht. Der Grund dafür war, wie Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Hesterberg jetzt vor der Presse ausführte, nicht die oft wegen ihrer mangelhaften Publizität kritisierte Gesellschaftsform, Sondern das Bestreben, den durch den Krieg verlorengegangenen Anschluß an die internationale Entwicklung durch Spitzenleistungen wiederherzustellen. Dieses Vorhaben ist offenbar gelungen, denn die auf rund 15 000 angewachsene Zahl der Belegschaftsmitglieder, von denen über 6000 in den Berliner Werken arbeiten, ermöglichen jetzt wieder einen Jahresumsatz von 250 bis 300 Mill. DM, wovon etwa ein Viertel auf den Export entfällt.

Augenblicklich gehen in Berlin, wo der gesamte Großsenderbau konzentriert ist, sieben für Kolumbien bestimmte Rundfunksender der Fertigstellung entgegen. Diesen Auftrag erhielt das Berliner Unternehmen gegen schärfste internationale Konkurrenz. Auch ein weiterer Großsender für Syrien und die zwei Kurzwellensender für die "Deutsche Welle" in Jülich, die Deutschlands Stimme wieder in Übersee vernehmbar machen sollen, befinden sich schon auf dem Prüffeld. Allein für Auftraggeber in Deutschland sind seit Kriegsende über 100 Rundfunksender geliefert worden, und außer der Bundespost zählt auch die Tochtergesellschaft Debeg (Deutsche Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H), die vornehmlich den Schiffsfunk betreibt, zu den ständigen Abnehmern der Berliner Telefunken-Erzeugnisse Zur Zeit ist die Gesellschaft dabei, die für den Sendeibau arbeitenden Berliner Abteilungen auszubauen und in vergrößerten Räumen unterzubringen.

Auch ein anderer Fertigungszweig, die Herstellung von Magnetophongeräten, bisher in Hamburg konzentriert, hat solchen Umfang angenommen, daß das Hamburger Werk den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Nach erheblichen Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten hat nun das Berliner Gerätewerk von Telefunken die gesamte Produktion von Heim-Magnetophonen übernommen, wodurch mehrere hundert Arbeitsplätze neu geschaffen wurden. Die Studio-Mikrophone werden künftig in einer angekauften Fabrik in Wedel (Holstein) gefertigt, wo außerdem noch Spezialrundfunkgeräte für den Export, Autosuper, Verstärker, Mikrophone, Plattenwechsler und kleinere Sender- und Empfangsanlagen hergestellt werden. G n.