Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen

Die Preisentwicklung an den Weltwarenmärkten stand in der vergangenen Woche ziemlich stark unter dem Einfluß der Erntemeldungen und der politischer Ereignisse, so daß teilweise erhebliche Preisschwankungen zu verzeichnen waren. So lagen z. B. in den USA insbesondere Mais und Sojabohnen unter dem Druck der neuesten Ernteschätzungen. Demgegenüber führte die baissegünstige Baumwollernteschätzung nicht zu einen Preisrückgang, sondern die Erwartung einer starken Inanspruchnahme der Beleihungsmöglichkeiten rief sogar eine Festigung, hervor. Eine kräftige Erholung verzeichnete Kautschuk in New York, während in London die anfängliche Schwächeneigung nicht vollständig von der späteren Fertigungstendenz kompensiert werden konnte. Kaffee und Kakao wiesen relativ starke Preisabstriche auf. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen der brasilianische Staatsstreich auf diese beiden Märkte haben wird. Bei den NE-Metallen traten in London überwiegend Preisfestigungen ein, nur Zinn machte eine Ausnahme, da die mehrwöchige Anstiegsbewegung von einem leichten Preisrückgang abgelöst wurde.

Getreide: Die in der Vorwoche teilweise eingetretenen Preisgewinne gingen während der Berichtswoche sowohl in Chikago, als auch in New York wieder verloren, Eine Ausnahme machte Hafer, der sich in New York leicht festigte. Bei im allgemeinen schleppender Nachfrage waren es die durch günstige Erntemeldungen hervorgerufenen Liquidationen, die zu der Preisabschwächung führten. Nur Weizen erfuhr eine Belebung des Exportgeschäfts, da Jugoslawien im Rahmen einer Ankaufsgenehmigung von 11 Mill. bu verschiedene Partien übernahm und mit Brasilien ein größerer Abschluß zustande kam.

Weizen: Im Rahmen des internationalen Weizenabkommens setzten die Exportländer bis zum 2. November 1955 insgesamt 1,649 Mill. t ab, eine Menge, die nicht ganz 45 v. H. des im gleichen Vorjahreszeitraum verkauften Weizens entspricht. – Die kanadischen Weizenexporte sind nach Angaben des kanadischen Weizenamtes in den ersten beiden Monaten des laufenden Erntejahres mit rund 35,4 Mill. bu. um 50 v. H. geringer, als im gleichen Zeitraum 1954/55. Besonders gering waren die diesjährigen September-Exporte, die mit 15,2 Mill. bu 25 v. H. unter den diesjährigen August-Exporten und 42 v. H. unter den Exporten des September 1954 lagen.

Mais: Nach dem Stand vom 1. November 1955 schätzt das US-Landwirtschaftsministerium die US-Maisernte auf 3182,9 Mill. bu, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von rund 7,4 v. H. bedeutet. Mit diesem Ergebnis bleibt die diesjährige US-Maisernte nur 10 Mill. bu unter dem Rekordergebnis des Jahres 1953.

NE-Metalle: Während in New York der NE-Metallmarkt mit Ausnahme von Kupfer im großen und ganzen farblos verlief, war die Entwicklung in London uneinheitlich und bei Kupfer in der letzten Zeit ziemlich erheblichen Preisabschlägen unterworfen.

Kupfer: Während der Berichtswoche hat sich die Lage auf dem Kupfermarkt etwas beruhigt. In den USA scheint jedoch die Versorgung weiterhin angespannt zu sein. In London setzte sich nach einem hohen Wochenbeginn eine rückläufige Preisbewegung durch, nachdem sich in Chile die Arbeitslage wieder normalisiert hat. Gegen Wochenschluß tendierte insbesondere Dreimonatskupfer wieder fester, da vereinzelten Deckungen eine starke Zurückhaltung der Abgeber gegenüberstand. Zu dem etwas nervösen Marktverlauf mag auch beigetragen haben, daß sich die Bestände in den lizenzierten Lagerhäusern der Londoner Metallbörse weiter verringert haben.